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Hadorn Philipp · Nationalrat · 2018-03-01

Hadorn Philipp · Nationalrat · Solothurn · Sozialdemokratische Fraktion · 2018-03-01

Wortprotokoll

Die Mobilität ist eine Errungenschaft, auf die zu verzichten mir schwerfallen würde. Ja, ich erachte es als eine Errungenschaft, dass es für nicht wenige Personen in unserer Bevölkerung möglich ist, ein Tram oder einen Bus zu besteigen, gelegentlich ein Motorrad oder ein Auto zu benutzen, mit der Bahn zu fahren und auch mal in ein Flugzeug zu steigen. Für viele Menschen in diesem Land ist dies erschwinglich geworden, nicht gerade alles jeden Tag, so hoffe ich wenigstens, sondern gelegentlich, bei Bedarf, bei Notwendigkeit.

Ich persönlich kann dem Reisen, selbst auf andere Kontinente, durchwegs etwas Positives, Horizonterweiterndes, Völkerverbindendes und Solidarität- und Verständnisweckendes abgewinnen - wären da nicht die Emissionen, der Verschleiss an Land und Material, auch die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer. Natürlich kann ich unumwunden zugeben, dass ich als Mitverantwortlicher der Gewerkschaft des Verkehrspersonals eine besondere Zuneigung zum kollektiven Verkehr habe. Aber auch die anderen Mobilitätsmöglichkeiten nutze ich gerne.

Die Sicherheit des Verkehrs ist ein wesentlicher Faktor. Was nützt mir die grosse Bewegungsfreiheit, wenn ich unterwegs zu befürchten habe, entweder wegen lausiger Infrastruktur oder wegen eines betrunkenen oder telefonierenden Verkehrsteilnehmers in einen Unfall verwickelt zu werden und das Ziel nicht zu erreichen? Nicht nur der kaum zu stillende Mobilitätshunger unserer Gesellschaft wirft Fragen auf. Auch das eigene Verhalten gilt es kritisch zu betrachten und ebenso unsere neuesten Beschlüsse, welche den Schutz vor alkoholisierten Autofahrenden minimieren, sei dies mangels der Option einer Wegfahrsperre oder wegen des Alkoholausschanks und -verkaufs an Autobahnraststätten und Tankstellenshops.

Unbestreitbar ist der Langsamverkehr diejenige Mobilitätsform, die wohl in jedem Rating oder bei jeder Benchmark des Nahverkehrs ökologisch und wirtschaftlich am besten abschneiden wird. Gerade in der Kombination mit dem öffentlichen Verkehr, als dessen Zubringer, ist der Fuss- und Veloverkehr ein tragender Pfeiler, um die persönliche, individuelle Logistikkette sinnvoll zu gestalten. Die weitestgehend ausbleibenden, die Natur belastenden Emissionen und die positiven Auswirkungen auf das physische und psychische Wohlbefinden rechtfertigen es bereits, dass diese Mobilitätsform in unsere Verfassung Eingang findet. Eine sichere Verkehrsplanung bietet auch dem Langsamverkehr die notwendige Infrastruktur.

Velo-, Fuss- und Wanderwege sind Schlüsselelemente, die es braucht, damit die Menschen für Kurzstrecken auf das Auto verzichten. Die Nutzung dieses Potenzials, indem man sich für eine Strecke von einem Kilometer eine Viertelstunde zu Fuss oder für eine Strecke von bis zu fünf Kilometern mit dem Velo fortbewegt, entlastet den Nahverkehr in den Bereichen des öffentlichen Verkehrs und des Autoverkehrs. Die vorliegende Initiative wie auch der Gegenvorschlag können entscheidend dazu beitragen, dass Sitzplätze in Tram und Bus wieder zu ergattern sind, der Verkehr auf der Strasse weniger Stau erdulden muss und damit auch andere Kosten reduziert werden können.

Dazu braucht es Investitionen in die Infrastruktur des Langsamverkehrs. Dass diese im Vergleich zu allen anderen Verkehrsmassnahmen relativ günstig sind, der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zuträglich sind, den Tourismus fördern und erst noch klimaschonend wirken, liegt auf der Hand. Mit der vorliegenden Initiative oder mit dem Gegenvorschlag setzen wir hierzu einen wichtigen Grundstein mit Ausbaupotenzial.

Ich danke den Initiantinnen und Initianten für dieses zukunftsweisende Vorhaben. Sie haben damit eine Diskussion ausgelöst, die das Denken - das Nachdenken über unseren Mobilitätshunger - und das Weiterdenken anregt.

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