von Siebenthal Erich · Nationalrat · 2018-03-07
von Siebenthal Erich · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2018-03-07
Wortprotokoll
Die Motion verlangt, dass auf den Packungen von Psychopharmaka eine gut sichtbare Warnung angebracht wird: "Warnung: Dieses Medikament hat Nebenwirkungen! Lesen Sie die Packungsbeilage vor der Einnahme."
Der Bundesrat hat in seiner Stellungnahme bestätigt, dass die Nebenwirkungen von Psychopharmaka tatsächlich gravierend sein können. Weiter sagt er in der Stellungnahme, dass jedes Arzneimittel Nebenwirkungen haben könne und Psychopharmaka nicht generell gefährlicher seien als andere Arzneimittel. Dem muss ich widersprechen.
Psychopharmaka gehören zu einer Gruppe von Medikamenten, die Einfluss auf das Verhalten und die Psyche des Patienten haben - weshalb sie ja auch Psychopharmaka genannt werden. Die Nebenwirkungen von Psychopharmaka sind vielfach alles andere als harmlos, kann ihre Einnahme doch eine massive Steigerung der Aggressivität, erhöhte Bereitschaft zu Gewalttätigkeit und anderes völlig auffälliges Verhalten auslösen. Bei den Amokläufen, die in letzter Zeit zu Schlagzeilen in der Presse führten und unzählige Menschenleben forderten, waren immer Psychopharmaka im Spiel. Also unterscheidet sich diese Gruppe klar von anderen Medikamenten, wie zum Beispiel Insulin für Zuckerkranke, obwohl diese natürlich auch Nebenwirkungen haben können.
Der Bundesrat sagt auch, dass er sich bewusst sei, dass die Packungsbeilagen nicht gelesen würden, und dass eine gute Beratung und Begleitung durch den verschreibenden Arzt erfolge. Ob das in der Realität tatsächlich der Fall ist, wissen wir nicht. Der am 13. November 2017 in der Zeitung "20 Minuten" erschienene Artikel "Jeder zehnte Schweizer nimmt Beruhigungspillen" lässt eher auf das Gegenteil schliessen. Denn hier steht: "Suchtexperten warnen vor körperlicher Abhängigkeit - und nehmen Ärzte in die Pflicht."
Herr Bundesrat, sind Sie nicht auch der Meinung, dass hier ein gut sichtbarer Hinweis helfen würde, nicht allzu schnell zu solchen Psychopharmaka zu greifen? Genau so konnte zum Beispiel der Konsum von Zigaretten durch eine Warnung auf den Packungen etwas reduziert werden.
In Ihrer Stellungnahme, Herr Bundesrat, schreiben Sie: "Um Patientinnen und Patienten sowie Ärztinnen und Ärzten und anderen medizinischen Fachpersonen jederzeit Zugang zu den aktuellen Versionen der Packungsbeilage sowie der Fachinformation zu geben, betreibt Swissmedic seit gut zwei Jahren eine Arzneimittelinformations-Plattform." Frage: Zeigt diese Plattform Wirkung? Gibt es Anzeichen von mehr Vorsicht? Je nach Ihrer Antwort werde ich meine Motion zurückziehen.