Galladé Chantal · Nationalrat · 2018-03-08
Galladé Chantal · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2018-03-08
Wortprotokoll
Ich möchte Ihnen beliebt machen, in der Schweiz einen Bedürfnisnachweis für Waffen einzuführen. Das ist jetzt nichts wahnsinnig Spektakuläres, was ich da fordere. Wer Waffenmissbrauch verhindert, rettet Menschenleben.
Jetzt können wir uns die Frage stellen: Wozu braucht der Mensch eine Waffe, wozu brauchen Menschen, Leute, die unter uns leben, eine Waffe? Dafür gibt es gewisse Gründe.
Sicherheitskräfte, staatliche Sicherheitskräfte, namentlich Polizistinnen und Polizisten zum Beispiel, brauchen eine Schusswaffe. Sie werden auch daran ausgebildet. Sie üben immer wieder ihre Einsätze, sie haben grossen Respekt davor, diese Waffe je gebrauchen zu müssen - jeder Polizist hofft, dass ihm das nie passiert. Und sie wissen durch ihr regelmässiges intensives Training, dass es schwierig ist, diese Waffe in einem Echteinsatz zu gebrauchen. Dann gibt es Menschen, die für die Jagd eine Schusswaffe brauchen, und es gibt diejenigen, die sie für den Sport brauchen. Damit hat es sich aber etwa.
Es braucht keine Waffe, die zu Hause herumliegt, es braucht keine Waffen, die man irgendwo einfach so aus Freude beschafft, um sich besser zu fühlen, und es braucht schon gar keine Schusswaffen zur Selbstverteidigung, wie gewisse Kollegen hier drin in Trump'scher Manier beliebt machen wollen. Wenn man sich in der Unterführung oder zu Hause oder irgendwo bedroht fühlt, mal die Schusswaffe zu zücken und jemanden niederzuknallen, von dem man sich vermeintlich angegriffen fühlt, der aber vielleicht nur ein Portemonnaie aus der Tasche hervorholen will oder so, ist kein Konzept. Ich bitte Sie, diese Wildwest-Szenarien, über die wir hier drin nächstens auch abstimmen werden, einfach mal ganz realistisch zu betrachten - die sind kein Konzept. Aber ein Bedürfnisnachweis ist nichts Ausgefallenes, das ist sogar ein sehr kluges Konzept. Es gibt nämlich keinen logischen Grund, warum man nicht sagen soll, wozu man die Schusswaffe braucht. Das ist irgendwo in der Logik der Sache.
Wir wissen, dass mit jeder Verschärfung der Schusswaffengesetzgebung Menschenleben in diesem Land gerettet wurden. Wir hatten 1998 noch 466 Schusswaffentote. Mit all den Massnahmen, die wir danach ergriffen haben, mit den Verschärfungen des Waffengesetzes - dort ist die Waffenlobby gegen jedes Komma angetreten und hat es bekämpft -, ist die Anzahl der Schusswaffentoten in diesem Land gesunken, bis auf jetzt etwas über 200 Schusswaffentote pro Jahr. Bei dieser Zahl müssen wir noch nicht stehenbleiben. Es geht um Menschenleben: Mit jeder Massnahme können wir einige Menschenleben retten. Das zeigt die Statistik. Das sagt Ihnen jeder, der sich damit beschäftigt hat - wirklich jeder. Wenn wir jetzt eine Massnahme ergreifen, werden wir nicht auf null Schusswaffentote kommen. Das ist wie bei Via sicura im Strassenbereich: Wir kommen nicht auf null Tote, aber wir kommen mit diesen Massnahmen auf eine tiefere Zahl an Toten.
Deshalb bitte ich Sie, der Einführung dieses Bedürfnisnachweises zuzustimmen. Es gibt keinen, aber keinen einzigen Grund, warum man nicht sagen sollte, wozu man die Schusswaffe braucht. Ich weiss, Sie werden jetzt mit dem Argument der illegalen Waffen kommen. Leider, leider werden wir diese nie ganz loswerden, aber wir können nicht davor kapitulieren, dass es immer Menschen gibt, die sich nicht ans Gesetz halten. Der grösste Teil der Bürgerinnen und Bürger hält sich ans Gesetz. Es geht heute darum, dass Sie mit einem Knopfdruck sagen können: Ich rette Menschenleben, nicht alle, die durch eine Schusswaffe ausgelöscht werden, aber einen Teil davon. Wenn es nur eines ist, dann war es das schon wert.
Ich bitte Sie deshalb, dieser Initiative Folge zu geben.