AB 231029
Schneider-Ammann Johann N. · Bundesrat · Bern · 2018-06-06
Wortprotokoll
Lassen Sie mich in aller Kürze Folgendes sagen: Ich bedaure zutiefst, was entstanden ist, und ich bedaure das vor allem vor dem Hintergrund der Verunsicherung des Personals. Ich rede von dem Personal, das für unsere Forschung entscheidend ist, und das sind prima vista alle.
Ich habe mich in den vergangenen Monaten bemüht - mich selbst und meine Organisation - zu erkennen, wo unsere Landwirtschaft steht, in welcher Kompetitivität wir uns einzuordnen hätten und wie wir uns für die Zukunft auszurichten haben, wenn die Zukunft vor allem auch eine Digitalisierungszukunft sein wird. Dieses Wort ist jetzt bei Ihnen noch nicht gefallen.
Dann kam der Auftrag zum Sparen. Der wurde mir erteilt, ich habe ihn analysiert - notabene nicht zum ersten Mal -, und ich habe ihn so beurteilt, dass ich mir gesagt habe: Es macht keinen Sinn, wenn ich einfach mit dem Rasenmäher über die zwölf Standorte fahre und überall etwas Kosten wegnehme, denn dann werden mehrere Standorte suboptimal dastehen, und zwar deutlich. Es ist nur eine Frage der Ehrlichkeit, ob man dann den Mut hat zu sagen: Es geht nicht mehr. Ich wollte dieses Konzept nicht. Das nehme ich auf mich.
Ich bin dann hingegangen und habe mich gefragt: Was ist denn als Alternative denkbar? Ich habe eine Skizze gemacht - rudimentär, nicht hinterfragt, nicht ausdiskutiert, nicht mit Spezialisten abgecheckt -, die besagt: Wir machen zuerst eine Investition, richten uns bestens ein, sodass internationale Spitzenforscher - und da gehören die unsrigen auch dazu - Interesse entwickeln, mit uns in der Zukunft Landwirtschaftsforschung zu betreiben. Ich habe nichts anderes gemacht als den entsprechenden bundesrätlichen Ausschuss aufgeboten. Das sind drei Personen: Herr Kollege Maurer, Frau Kollegin Leuthard und ich. Ich habe dort die Skizzen vorgestellt und dem Finanzminister gesagt, wie viel Geld ich brauche. Zu meinem Erstaunen hat er nicht einfach abgewehrt, und dann ging es schnell. Dann ging es im Stundentakt, und die Papiere waren bei den Medien, und wir bekamen Kenntnis davon. Ich hatte am Freitagmittag die Möglichkeit, selber noch etwas dazu zu sagen und zu versuchen, den Schaden zu minimieren, oder ich konnte es einfach laufenlassen. Ich habe offensichtlich das Falsche gemacht. Ich habe mich mit der Geschäftsleitung von Agroscope in Verbindung gesetzt, damit ich es nicht der Zeitung entnehmen musste. Ich hatte auch noch die sieben Landwirtschaftsdirektoren der betroffenen Standortkantone in einer Konferenzschaltung, bevor das publik wurde: Das war der Notnagel in letzter Minute.
Jetzt sind wir da, wo wir sind. Wir helfen uns, wenn wir wirklich darauf ausgehen, dass wir uns nach vorne orientieren, mit der Zielsetzung, eine erstklassige Landwirtschaftsforschung auf die Beine stellen zu wollen, und mit dieser erstklassigen Landwirtschaftsforschung für uns die Landwirtschaft bereitstellen, die wir brauchen, um auch künftig 60 Prozent Selbstversorgung sicherstellen zu können. Das ist meine Ambition. Wenn ich das mit dem internationalen Umfeld vergleiche, dann stelle ich fest, dass wir hier oder dort schon noch Verbesserungspotenzial haben.
Ich habe es nicht so verstanden, dass Sie mir gegenüber ein Denkverbot aussprechen. Wir werden aber die Denkpause konstruktiv nutzen. Wir werden an verschiedenen Ideen weiterarbeiten. Wir werden rechtzeitig die verschiedenen Interessengruppierungen mit einbeziehen und beginnen dann gleich mit den Medien, damit das Problem a priori vom Tisch ist. Das ärgert mich, es ärgert mich, daraus mache ich keinen Hehl: So kann man nicht arbeiten; so kann man jedes Projekt a priori liegenlassen. Aber Spass beiseite: Wir informieren dann die Interessierten, und dann finden wir über die kommenden Monate wieder auf ein Gleis zurück, das in die Zukunft führt und das konstruktive Lösungen ermöglicht.
Ich bedaure die entstandene Situation.
[VS]