Jutzet Erwin · Nationalrat · 1999-12-09
Jutzet Erwin · Nationalrat · Freiburg · Sozialdemokratische Fraktion · 1999-12-09
Wortprotokoll
"Si vis pacem, para bellum!" Willst du den Frieden, bereite den Krieg vor! Sie kennen diesen römischen Spruch. Er ist einfach, einprägsam, bewährt. Die Römer haben ihn nicht erfunden, sondern von den Ägyptern, den Assyrern, Medern, Karthagern gelernt. Wohl auch bei uns wurde er bereits von den Pfahlbauern und Höhlenbewohnern überliefert und befolgt. Leider hat er sich oft bewahrheitet; oftmals war ein wehrloses Volk machtgierigen Potentaten ausgesetzt und wurde von ihnen überfallen.
Aber in unserem Jahrhundert lebte auch Albert Einstein; er hat erkannt, dass vieles, alles relativ ist. Wir müssen erkennen, dass dieser Spruch keine unverrückbare Wahrheit ist. Er ist zu hinterfragen, gerät ins Wanken. Wir leben in einer Zeit der permanenten technischen Revolution. In hundert Jahren kam die technische Entwicklung schneller voran als zuvor in zehntausend Jahren. Heute haben wir Waffensysteme, die man vor zehn oder zwanzig Jahren nicht für möglich hielt. Deshalb muss man auch in Sachen Kriegsverhinderung umdenken. Man kann nicht einfach den Krieg vorbereiten, indem man sich bis an die Zähne bewaffnet, einzäunt, eingräbt. Es braucht mehr, als sich an diesen alten Spruch zu halten. Den Frieden wollen - wir alle wollen ihn - heisst nicht, den Krieg vorzubereiten. Den Frieden wollen heisst, Krieg mit allen Mitteln zu verhindern, mit Konfliktforschung, -vermeidung, dem Schaffen gerechter Gesellschaften, einer internationalen Solidarität, dem Vermeiden von Ausbeutung und Armut. Wir brauchen eine breite Bildung, eine Erziehung zur Toleranz, gegen Fundamentalismus und Fanatismus. Wir brauchen Vermittlung und Diplomatie, friedenssichernde Massnahmen, vielleicht auch Friedenstruppen.
Zu allen diesen Dingen ist die Initiative ein guter Start, ein wohl durchdachter Beginn. Bei ihr geht es nicht nur um das Umverteilen von Geld, sondern vielmehr auch um ein Umdenken. Wenn du den Frieden willst, bereite nicht den Krieg vor! Denn dann trägst du ihn bereits in deinem Kopf - und wohl auch in deinem Herzen. Nein, wenn du den Frieden willst, dann schaffe ihn und verhindere den Krieg!