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Marti Min Li · Nationalrat · 2018-09-26

Marti Min Li · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2018-09-26

Wortprotokoll

Sie kennen sicher diese Wimmelbilder, jene Bilder, auf denen ganz viel los ist und man beispielsweise versteckte Gegenstände oder Menschen suchen muss. Ein bisschen ähnlich ist das Prinzip, wenn man auf Bildern von Anlässen zur Digitalisierung die Frauen sucht: Dann muss man auch ein bisschen genauer hinschauen, bis man die eine oder andere entdeckt. Wenn man diese Bilder betrachtet, fragt man sich zumindest, ob die Zukunft nicht gar männlich aussieht.

Eine Studie des WEF ist zum Schluss gekommen, dass die Gefahr besteht, dass Frauen Digitalisierungsverliererinnen werden, weil sie gerade in diesen Zukunftsbranchen der ICT so untervertreten sind. Die Fachkräfte-Initiative - Frau Munz hat sie auch angesprochen - wurde lanciert, um das einheimische Fachkräftepotenzial besser auszuschöpfen. Beim einheimischen Fachkräftepotenzial geht es eben gerade auch um Frauen. Es liegt darum auf der Hand, im Rahmen der Fachkräfte-Initiative dieses Problem der Untervertretung der Frauen in ICT-Berufen anzugehen.

Ich wurde nach Einreichen meiner Motion auch von Vertreterinnen und Vertretern der Branche kontaktiert, die mir versicherten, dass sie meinen Vorstoss und meine Absicht sehr begrüssen und dass es auch ein grosses Anliegen der Branche sei, die Diversität zu erhöhen.

Der Bundesrat ist in seiner Stellungnahme der Meinung, die Motion sei, auch wenn er das Anliegen grundsätzlich teile, unnötig. Sie sei unnötig, weil bereits Programme vorhanden seien und weil die Branche und auch die Universitäten und Hochschulen bottom-up selber Massnahmen und Programme entwickeln sollen.

Auf die Frage, wie man denn den Frauenanteil in den ICT-[NB]und technischen Berufen erhöhen könne, sagte mir ein Mitglied der ETH-Leitung: Ich weiss es auch nicht - sagen Sie mir, was wir tun sollen! Es ist also nicht so, dass in den Universitäten und Hochschulen hier wirklich Patentrezepte vorhanden wären.

Die Tatsache, dass die Schweiz im internationalen Vergleich einen unterdurchschnittlichen Frauenanteil in den ICT-Berufen hat und dass auch Frauen, die eine entsprechende Ausbildung gemacht haben, nicht im Beruf bleiben, zeigt, dass [PAGE 1628] Handlungsbedarf besteht und dass hier offensichtlich das Potenzial nicht ausgenützt wird. Sie zeigt auch, dass es eben nicht eine Frage der Biologie ist, wie gewisse Kreise vermuten, zumal auch der Frauenanteil in gewissen technischen Berufen und auch in gewissen IT-Berufen viel grösser ist.

Ich stelle manchmal mit Bedauern fest, dass wir in der Schweiz ein wenig selbstbezogen sind, dass wir immer meinen, wir wüssten alles besser. Wir müssen nicht immer das Rad neu erfinden, es gibt vielleicht in anderen Ländern Programme und Ansätze, die funktionieren. Ich habe Beispiele erwähnt; ich denke, es würde sich lohnen, diese zu studieren. Klar scheint mir: Der Handlungsbedarf ist da.

Wenn Sie wollen, dass die Zukunft auch ein wenig vielfältig sein wird, stimmen Sie meiner Motion zu.