Waber Christian · Nationalrat · 2000-03-15
Waber Christian · Nationalrat · Bern · Evangelische und Unabhängige Fraktion · 2000-03-15
Wortprotokoll
Es gibt ganz unterschiedliche Bedeutungen des Waldes. In einer Bergregion hat der Wald vor allem die Funktion des Schutzwaldes, im Mittelland - oder bei uns im Emmental - ist er aber auch eine Sparkasse. Die Waldbesitzer nutzen also den Wald: Zum Eigennutzen, aber auch, um ein gewisses Einkommen zu erzielen. Der Wald ist ein Werk langer Zeiträume. Gerade nach dem Sturm sah ich manche Träne in den Augen vieler Waldbesitzer, die gerade diese Nachhaltigkeit, diese Langfristigkeit des Waldes, innert weniger Stunden zerstört sahen.
Es ist auch nicht so, dass die Waldbesitzer auf die Debatte im Nationalrat gewartet hätten. Schon am 27. Dezember gingen sie in den Wald und räumten auf, weil sie sahen, welche Schäden es da gab. Sie warteten auch nicht, bis Auflagen gemacht wurden, z. B. bezüglich Arbeitsbedingungen oder Unfallverhütung. Sie gingen auch mit grosser Angst an diese Arbeit, ist doch dieser Einsatz mit sehr vielen Gefahren verbunden. Wir wollen aber keine Entsorgung des wertvollen Rohstoffes Holz, sondern eine sinnvolle Nutzung. Vom Markt nicht gefragtes Holz kann mit Einzelanstrengungen und guten Rahmenbedingungen des Staates - wir haben es schon gehört - zu einem neuen Holzboom führen. Voraussetzung für diesen Boom ist auch die dosierte Zuführung der grossen Holzmengen. Das Geld, das hier vom Steuerzahler aufgewendet wird, muss aber den Geschädigten zukommen und darf nicht für die Hobbys z. B. der Verwaltungen oder von gewissen Verbänden verwendet werden. Das Geld muss also direkt den Geschädigten zukommen.
Wenn nun die Umweltverbände - teilweise zu Recht - eine Holzerei auf Staatskosten anprangern und eine solidarische Entschädigung der Waldbesitzer fordern, gehen sie aber an folgenden Tatsachen vorbei: Das Liegenlassen von Sturmholz kann für einzelne Flächen wohl sinnvoll sein, aber längst nicht für alle betroffenen Waldflächen. Hier muss differenziert vorgegangen werden. Wir von der evangelischen und unabhängigen Fraktion wollen keine Urwälder, sondern gepflegte Bestände, die eine nachhaltige Nutzung ermöglichen. Nachhaltigkeit bedeutet für uns auch, dass die Einkommensquelle der Waldbesitzer nicht einfach durch eine solidarische Beitragszahlung abgeschnitten wird, sondern dass die langfristige Nutzung - für Nutz- und Brennholz - gewährleistet ist. Der Eigenbedarf der Waldbesitzer ist eine sehr grosse Erhaltungsquelle für die Bausubstanz und muss auch hier in Solidarität subventioniert werden.
Die evangelische und unabhängige Fraktion ist für Eintreten auf diese Vorlage. Wir teilen aber die Vorbehalte vor allem der freisinnigen Fraktion und verlangen, dass die Gelder sinnvoll und direkt eingesetzt werden.