Baumann Ruedi · Nationalrat · 2000-03-15
Baumann Ruedi · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2000-03-15
Wortprotokoll
Ich möchte meine Interessen offen legen: Wir sind Waldbesitzer, wir haben etwa 1,5 Hektaren Laubmischwald, genug für die Brennholzversorgung und gelegentliche Nutzholzverkäufe. In unserem Wald stehen übrigens auch die ältesten Eichen der Gemeinde. Wir sind Lothar-geschädigt, etwa die Hälfte unseres Waldes liegt am Boden, über 100 Kubikmeter Holz liegen kreuz und quer, wie ein grosses Mikado.
Unsere Gemeinde im Berner Seeland hat rasch reagiert, es wurde eine Sturmholz-Zentrale gegründet, die betroffenen Waldeigentümer haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam dieses Holz aufzurüsten. Seit Wochen sind bei uns österreichische Holzerequipen an der Arbeit, die mit grossen Vollerntemaschinen die Schadholzflächen aufrüsten. Das Holz wird direkt nach Österreich exportiert, die betroffenen Bauern und Bäuerinnen gehen davon aus, dass der Holzerlös etwa die Rüstkosten deckt. Das ergibt also Null Franken Erlös für die Betroffenen.
In meiner Gemeinde haben wir Flächenschäden von 41 Hektaren, das ist auf dieser Karte zu sehen, daneben Streuschäden von etwa 5000 Bäumen. Betroffen sind nicht weniger als 100 Bäuerinnen und Bauern und die Burgergemeinde. Wir haben kleinparzellierten Privatwaldbesitz, in der Regel sind das Flächen von nur einer halben Hektare. So weit zu meiner Gemeinde.
Zum Hilfspaket des Bundesrates für die Schäden von Lothar: Ich anerkenne, dass die vorgesehenen Leistungen in [PAGE 226] der Summe sehr grosszügig bemessen sind. Rund 500 Millionen Franken Bundesgelder zur Bewältigung der Schäden von Lothar sind eine wirklich solidarische Leistung der Steuerzahler und Steuerzahlerinnen zugunsten der Betroffenen. Ich möchte auch im Namen der Betroffenen dafür danken. Vielleicht - Herr Blocher ist nicht da - zeigt das den Anhängern von Herrn Blocher wieder einmal deutlich, wie gerne man auf den Staat zurückgreift, wenn Not am Mann ist.
Sehr viel mehr Mühe habe ich und haben wir Grünen mit dem Vorschlag des Bundesrates bzw. der Kommissionsmehrheit, wie diese Gelder aufgeteilt werden sollen. Ich habe das Gefühl, da sehen diverse Leute vor lauter umgefallenen Bäumen den Wald nicht mehr. Ich bin der festen Überzeugung: Wenn man schon so viel Geld verteilen will, soll man zumindest einen Teil davon den Direktbetroffenen zukommen lassen. Übrigens ist das genau gleich wie in der Landwirtschaftspolitik: lieber kleine ökologische Direktzahlungen direkt an Bäuerinnen und Bauern als Riesensummen in irgendwelche dubiose Marktinterventionen.
Ich halte insbesondere gar nichts von der Nasslagerung von Holz. Was wir nicht brauchen, verarbeiten und exportieren können, sollen wir ruhig im Wald liegen lassen. Ich halte auch nichts von der försterspezifischen Borkenkäferhysterie. Lassen wir den Borkenkäfer Borkenkäfer sein, die Natur wird das schon richten. Es wird sich wieder ein Gleichgewicht zwischen Nützlingen und Schädlingen einpendeln.
Ich halte auch nichts von kostspieligen Wiederanpflanzungen. Ich werde bei der Behandlung des überparteilichen Antrages, vertreten durch Herrn Binder, darauf zurückkommen und die Argumentation da zu Ende führen.