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Germann Hannes · Ständerat · 2018-12-13

Germann Hannes · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2018-12-13

Wortprotokoll

Ich danke dem Bundesrat für die Antwort auf meine Interpellation "Einheimisches Energiepotenzial nutzen statt Eigenverbrauchsvorschriften". Das ist natürlich ein Wunsch, aber in der Schweiz wird bezweifelt, dass die Energiewende 2050 mit dem jetzigen Energiegesetz erreichbar sei. Inzwischen zeigt das Bundesamt für Energie aber auf, dass das Energiepotenzial von Fotovoltaikanlagen auf unseren Dächern nicht 11 Terawattstunden, wie früher - genau: 2013 - noch angenommen wurde, sondern 50 Terawattstunden Strom pro Jahr beträgt. Das ist also mehr als das Vierfache dessen, was man ursprünglich annahm. Das technische Strompotenzial von Anlagen auf unseren Dächern ist somit 40 Prozent höher als das gesamte Wasserkraftpotenzial. Das heisst natürlich noch nicht, dass dieses Potenzial auch gänzlich genutzt werden könnte, aber zumindest technisch ist es vorhanden. Es ist auch grösser als jenes der fünf Schweizer Kernkraftwerke zusammen.

Das ausgeschöpfte Potenzial unserer mit Solaranlagen bestückten Dächer - das ist meines Erachtens eigentlich der wichtigste Vergleich - würde 50-mal mehr CO2-freien Strom betragen als dasjenige aller über 500 geplanten Kleinwasserkraftwerke, die bis 2035 eine Terawattstunde pro Jahr liefern können. Hier verweise ich auf eine Motion Fluri. Diese Kleinwasserkraftwerke sind ökologisch bedenklich und erfordern einen Eingriff in die Natur. Überall dort, wo man eines errichten will, ist es hoch umstritten. Sie wissen, dass damit die ganzen Zirkulationswege der Fische unterbrochen werden. Diese Kleinwasserkraftwerke sind also sehr, sehr problematisch. Allerdings setzt der Bundesrat allzu sehr auf diese Kleinwasserkraftwerke. Er überfinanziert sie mit 200 bis 300 Prozent der Bauinvestitionen für Kleinwasserkraftwerke. Das scheint mir nicht gerade sinnvoll und zielführend zu sein, wenn wir doch sehen, wie gross das Potenzial auf den Dächern wäre. Dort ist aber mit den Eigenverbrauchsvorschriften eine künstliche Bremse eingebaut. Da könnten langfristig einige Milliarden Franken jährlich eingespart werden. [PAGE 1058]

Ich bringe noch ein konkretes Beispiel dazu aus der jüngsten Vergangenheit. Eine Unternehmung in Wil/SG realisierte 2018 einen Plusenergiebau mit 32 Plusenergiewohnungen. In dieser Überbauung kann der gesamte Eigenenergiebedarf gedeckt werden; ja, noch mehr: Es gibt noch 57 Prozent CO2-freien Strom darüber hinaus. Diese Anlage produziert also mehr Strom, als sie benötigt. Mit dem Solarstromüberschuss können jährlich 53 Elektrofahrzeuge oder 12[NB]000 Kilometer CO2-frei gefahren werden. Das Wichtigste am Ganzen: Die Wohnungen dieses Plusenergiebaus, dieses Mehrfamilienhauses, sind auch 20 Prozent günstiger als im vergleichbaren Umfeld.

Fazit: Diese Wohnsiedlung, die in diesen Tagen den Europäischen Solarpreis 2018 gewann, zeigt, wie Gebäude und Verkehr, die heute rund 80 Prozent des Gesamtenergiebedarfs ausmachen und für gut drei Viertel der CO2-Emissionen verantwortlich sind, dank Schweizer Gebäudetechnologie faktisch CO2-frei funktionieren. Damit kann das Pariser Klimaabkommen relativ einfach und erst noch meines Erachtens preisgünstig umgesetzt werden.

Warum der Bundesrat derartige Energiemassnahmen, die europaweit wegweisend sind, im Energiegesetz nicht in Erwägung ziehen will, bleibt das Geheimnis des Bundesrates. Oder vielleicht lüften Sie es heute, Frau Bundesrätin Leuthard? Möge das verstehen, wer will, ich gehöre jedenfalls nicht dazu. Aber ich danke Ihnen trotzdem für die Antwort.