Wasserfallen Christian · Nationalrat · 2019-03-21
Wasserfallen Christian · Nationalrat · Bern · FDP-Liberale Fraktion · 2019-03-21
Wortprotokoll
Hier geht es um ein Postulat, das die Stärkung der Berufs-, Laufbahn- und Studienberatung fordert beziehungsweise eine Auslegeordnung dazu möchte. Weshalb bin ich auf diese Forderung gekommen? Wir haben in der WBK einerseits viele Stunden darüber debattiert, welche Herausforderungen der Arbeitsmarkt in Zukunft bringt, und andererseits auch darüber, welche Problematiken heute in den Berufs- und Laufbahnberatungen bestehen.
Wenn Sie sich das schweizerische duale Bildungssystem vor Augen führen, stellen Sie fest, dass nicht nur die duale Berufsbildung ein Trumpf ist, sondern vielmehr auch die Durchlässigkeit. Damit die Durchlässigkeit auch echt gelebt werden kann, müssen die Leute, die sich im Berufsbildungssystem bis ins höhere Alter mit Weiterbildungen auseinandersetzen, wissen, welche Wege sie einschlagen können.
Es gibt wunderbare Grafiken und Aussagen dazu, wie unsere Bildungslandschaft aussieht, mit Linien, die die verschiedenen Bildungsniveaus miteinander verbinden. Wenn man die anschaut, muss man wirklich sagen, dass das ganze System hochkomplex ist. Ich kann Ihnen einige Beispiele nennen: Es gibt die Abkürzungen EFZ, EMBA, CAS, DAS, MAS, FH, Uni, ETH, PH, HMS, BM1 und 2, HSG, ECTS-Punkte, PHD, BSC, MSC, also Master, und dann noch den Lehrplan 21. In diesem ganzen Dschungel müssen Sie so weit kommen, dass Sie je nach Ihren individuellen Bedürfnissen und Potenzialen die entsprechend perfekte oder beste Ausbildung machen können.
Was ich Ihnen mit diesen Abkürzungen eigentlich zurufen möchte, ist, dass mit der Durchlässigkeit unseres Bildungssystems im Prinzip die wirklich fast perfekte Chancengesellschaft Schweiz vor uns liegt. Es gibt kein einziges Land, welches eine so fein austarierte und fein verästelte Bildungslandschaft kennt wie die Schweiz. Es liegt aber dann wirklich auch in der Verantwortung der Personen, sich dort zurechtzufinden. Auf der anderen Seite sollten ihnen die Angebote so präsentiert werden, wie sie dann im Berufsalltag auch umgesetzt werden können. Dort kommt eben der Berufs-, Laufbahn- und Studienberatung eine zentrale Rolle zu. Wenn man bedenkt, dass in den nächsten zehn Jahren etwa eine Million Arbeitnehmende den Arbeitsmarkt verlassen, dann erkennt man ein riesiges Potenzial, die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort auszubilden. Schon aus diesem Grund sind Laufbahn- und Studienberatungen im Prinzip nicht mehr wegzudenken.
Die Durchlässigkeit, ich habe es angesprochen, ist das zentrale Argument, und ich bin froh, dass der Bundesrat die Annahme dieses Postulates beantragt. Denn ich bin überzeugt, dass gerade aufgrund der verschiedenen kantonalen Situationen hier ein Nachholbedarf besteht. Es geht mir ja nicht darum, dass der Bund hier neue Kompetenzen erhalten soll, sondern es geht mir darum, dass die kantonalen Stellen, die Berufs-, Laufbahn- und Studienberatungen, das Optimum herausholen. Das ist letztlich im Interesse der Arbeitnehmenden, aber auch der Arbeitgeber, damit die Leute ihre Potenziale voll ausschöpfen können.
Deshalb bin ich froh, wenn Sie dieses Postulat unterstützen können.