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Seiler Hanspeter · Nationalrat · 2002-09-18

Seiler Hanspeter · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2002-09-18

Wortprotokoll

Noch nie gab es im häuslichen Bereich so viele Haustiere, die nicht zu Vermögens- und Erwerbszwecken gehalten werden, wie in unserer Zeit. Das ist eine Tatsache, die niemand bestreiten kann. Zwar erachte ich das nicht als eine Entwicklung, die es deshalb gibt, weil es im Trend oder einfach Mode ist, ein Tier zu halten. Vielmehr entspringt es einem Bedürfnis, ein Tier zu halten. Im Verlaufe der Zeit hat dieses Bedürfnis offensichtlich stark zugenommen.

Diese Tatsache hat auch Ursachen. Es ist doch so, dass sich die Lebensweise und insbesondere die Art des Wohnens enorm gewandelt haben. Die Bezeichnung "Wohnsilo" ist ja typisch für unsere Zeit und drückt aus, wie zu einem grossen Teil eben gewohnt wird. Der Trend zu Einpersonen- und Kleinhaushalten wächst dauernd. Es ist deshalb verständlich, dass Alleinstehende und Alleinwohnende - Sie kennen sicher auch solche - versuchen, mit einem Haustier das Gefühl des Alleinseins zu mildern. Zudem ist die demographische Entwicklung so, dass sie den Anteil der älteren Menschen am Total der Bevölkerung ständig wachsen lässt. Wir wissen, dass gerade ein Haustier ein sinnvolles Mittel gegen ungute Auswirkungen der Vereinsamung sein kann. Ich kenne solche Fälle, Sie möglicherweise auch.

Die Beziehung des heranwachsenden Kindes zu allem, was im weitesten Sinn mit Natur zu tun hat - Natur erleben, Natur erfahren, Natur spüren -, kommt in unserer Zeit immer stärker zu kurz. Das Halten eines Tieres im häuslichen Bereich ermöglicht diesen direkten Kontakt. Dieses Spüren der Natur weckt das Verständnis für die Zusammenhänge wohl besser als jedes Lehrbuch. Das Haustier kann also in vielen Fällen die in den letzten Jahren entstandenen Defizite ganz oder teilweise beheben helfen. Es ist unabstreitbar, dass sich der Stellenwert des Haustieres in unserer Gesellschaft stark verändert hat und dass das Halten eines Haustieres in gewissen Fällen sogar eine gewisse soziale Bedeutung hat.

Es ist auch unbestreitbar, dass Tiere für viele Menschen gerade im häuslichen Bereich in sehr vielen Fällen eben mehr sind als eine blosse Sache. Ob man nun dieser Entwicklung mit einer Anpassung der Gesetzgebung Rechnung tragen soll, darüber kann man sich in guten Treuen streiten. Die SVP-Fraktion anerkennt die veränderte Bedeutung des Tieres in unserer Gesellschaft. Ob dies aber gesetzlich festgehalten werden soll, darüber sind in unserer Fraktion die Meinungen geteilt.

Noch ein verfahrensrechtliches Argument: Der ganze Problembereich ist unserem Rat bestens bekannt. In der Wintersession 1999, also vor rund drei Jahren, scheiterte ein fast gleich lautender Vorschlag. Die daraus entstandenen Volksinitiativen sind nun ein Signal an uns, dass ein grosser Teil des Volkes eine Regelung wünscht. Der Ständerat hat diesem Wunsch mit der von ihm - gestützt auf die Parlamentarische Initiative Marty Dick 99.467 - erarbeiteten Vorlage Rechnung getragen. Es ist an der Zeit, hier nun einmal zu einem Ende zu kommen - wenn auch nicht überall mit grosser Begeisterung. Wir sollten aus Gründen der Vernunft mit dem Ständerat gleichziehen. Diese Vorlage ist politisch wirklich nicht schwergewichtig. Unser Parlament hat bedeutsamere Aufgaben zu lösen sowie wichtigere und zukunftsentscheidendere Vorlagen zu bearbeiten. Verfahrensökonomisch sollte sich die Beratungszeit zu dieser Sache hier also entsprechend der staatspolitischen und volkswirtschaftlichen Bedeutung der Vorlage in Grenzen halten.

Die SVP-Fraktion lehnt die beiden Volksinitiativen ab, sie gehen zu weit. Sie wird der Vorlage des Ständerates, die den Charakter eines Gegenvorschlages hat, zum Teil zustimmen.