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Jositsch Daniel · Ständerat · 2019-06-19

Jositsch Daniel · Ständerat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2019-06-19

Wortprotokoll

Ich habe nur etwas in Prosa vorbereitet. (Heiterkeit) Aber ich bin auch der Meinung, dass wir jetzt hier doch über ein relativ ernstes Thema sprechen und es auch nicht unbedingt notwendig ist, hier jetzt lustige Reime zu machen.

Warum? Wenn ich an der Universität Zürich meine Vorlesung halte, blicke ich mittlerweile - und das freut mich sehr - in einen Saal, in dem mehrheitlich Frauen sitzen. Wenn ich aber dann schaue, wie es in den Führungsgremien von Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft aussieht, dann sehe ich sehr viele meiner ehemaligen männlichen Studierenden - das freut mich sehr -, aber sehr wenige meiner weiblichen Studierenden. Wenn ich schaue, wie viele weibliche Juristinnen ich ausbilde und wie viele weibliche Professorinnen es gibt, sehe ich auch ein sehr starkes Missverhältnis. Selbst in meinem eigenen Verband, dem Kaufmännischen Verband, den ich präsidiere, hatten wir über sehr viele Jahre, seit Jahrzehnten eine Mehrheit von weiblichen Mitgliedern, aber die Führungsgremien waren bis vor Kurzem fast ausschliesslich männlich. Erst seit Kurzem ist hier doch eine ansehnliche Anzahl Frauen in den Führungsgremien vertreten.

Von daher glaube ich, es bestehe Konsens - das bestreitet auch niemand -, dass wir hier einen gewaltigen Aufholbedarf haben, nicht nur zahlenmässig, sondern auch qualitativ; denn es ist, glaube ich, heute wissenschaftlich erwiesen, dass Führungsgremien, in denen beide Geschlechter vertreten sind, auch qualitativ die besseren Führungsgremien sind.

Wenn Herr Kollege Caroni in seinen Reimen versteckt behauptet, es handle sich hier um eine Quote, die beantragt werde, dann wäre ich doch froh, wenn er bei den Tatsachen bleiben würde. Es geht nicht um eine Quote, sondern in Artikel 734f geht es um einen Bericht, in dem Rechenschaft darüber abgelegt werden soll, warum eine Untervertretung in Führungsgremien besteht.

Jetzt können Sie sagen, das sei ein Zeichen, das hier gesetzt werde, und nicht mehr. Ich glaube, es ist mehr. Denn indem man eine Berichtspflicht hat, muss man eben Rechenschaft über einen Zustand ablegen, den wir - und ich glaube, das darf man sagen - als gesellschaftlich nicht optimal erachten. Indem wir keine Quote festlegen, sagen wir, dass es Ausnahmefälle, Bereiche gibt, in denen sich das eine oder das andere Geschlecht - das kann auf beiden Seiten sein - vielleicht mehr oder weniger engagieren will. Wir müssen das nicht fix als Quote ins Gesetz schreiben. Aber indem wir Bericht darüber erstatten müssen, müssen wir uns Rechenschaft darüber geben, und ich glaube, da gehen wir in die richtige Richtung.

Wenn wir jetzt aber kommen und, wie das die Mehrheit will, sagen: nur im Verwaltungsrat, nicht in der Geschäftsleitung, dann sagen wir doch faktisch, dass wir uns nur um einen Teil der Führungsgremien kümmern. Ich möchte jetzt nicht so weit gehen, wie es auch schon gesagt worden ist, und sagen, dass ein Verwaltungsrat eben das Gremium ist, das in guten Zeiten unnötig und in schlechten Zeiten unfähig ist, und dass es eigentlich nur auf die Geschäftsleitung ankommt. Aber seien wir doch ehrlich: Die Führung eines Unternehmens wird im Wesentlichen von der Geschäftsleitung wahrgenommen und nicht vom Verwaltungsrat. Indem die Mehrheit das Zeichen setzen will: "Ja, im Verwaltungsrat, da sind wir noch damit einverstanden, die gleiche Vertretung der Geschlechter anzustreben, aber nicht in der Geschäftsleitung", gibt sie ein Zeichen, das - Entschuldigung - schlicht und ergreifend falsch ist. Stehen wir also jetzt hier hin, und sagen wir: Jawohl, wir sind der Meinung, im Jahr 2019 ist es wirklich an der Zeit, dass beide Geschlechter in den Führungsgremien von Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft angemessen vertreten sind. Dann müssen wir uns doch wenigstens in der Berichtspflicht, die hier vorgesehen ist, auf beide Führungsgremien beziehen und uns jetzt nicht kleinlich auf den Verwaltungsrat beschränken.

Von dem her möchte ich Sie - und ich glaube, auch als Zeichen nach aussen - dringend bitten, hier den Minderheitsantrag Seydoux zu unterstützen.

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