von Siebenthal Erich · Nationalrat · 2019-06-20
von Siebenthal Erich · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2019-06-20
Wortprotokoll
Hier ein Auszug aus dem Text der Trinkwasser-Initiative: Der Bund "ergänzt das bäuerliche Einkommen durch Direktzahlungen zur Erzielung eines angemessenen Entgelts für die erbrachten Leistungen, unter der Voraussetzung eines ökologischen Leistungsnachweises, der die Erhaltung der Biodiversität, eine pestizidfreie Produktion und einen Tierbestand, der mit dem auf dem Betrieb produzierten Futter ernährt werden kann, umfasst".
Die Sömmerung von Kühen, Schafen und Ziegen ist wesentlich, um die hohe Artenvielfalt der Schweizer Berglandwirtschaft zu erhalten. Ohne Sömmerung wird ein grosser Teil der heutigen Bergregionen wieder verwalden und verbuschen. Im Tessin ist zu sehen, wie schnell es gehen kann. Diese offenen Flächen in der Alpwirtschaft sind wahre Juwelen der Biodiversität. Viele dieser Lebensräume sind geschützt und von nationaler Bedeutung.
Ausgerechnet die Initiative von Frau Herren, welche die Biodiversität doch fördern will, wäre dafür verantwortlich, dass im Berggebiet aufgrund der fehlenden Sömmerung eine Verarmung der Artenvielfalt eintreffen würde! Das Prinzip der Sömmerung basiert zum grossen Teil darauf, dass Tiere aus dem Tal und dem Unterland anlässlich der Sömmerung auf fremden Futterflächen weiden und diese nutzen. In derselben Zeit wird auf den Heimbetrieben das Winterfutter produziert. Gemäss der Initiative werden Betriebe, welche Tiere mit fremdem Futter ernähren - was ja auf die Sömmerung zutrifft -, von den Direktzahlungen ausgeschlossen. Wollen wir das wirklich? Entspricht dies der Absicht der Agrarpolitik des Bundes, welche die Berglandwirtschaft und die Sömmerung in der Agrarpolitik 2014-2017 gezielt gestärkt hat? Da stellt sich mir bei einer Umsetzung dieser Initiative auch die Frage, wie die Weidepflege in Gebieten mit erschwerten Bedingungen sowie im Sömmerungsgebiet erfolgen soll. Entweder leistet man sehr viel Handarbeit und Personenstunden, oder die Flächen verbuschen und verunkrauten sehr schnell.
Die Frage ist: Wer hilft uns, diese Stunden sehr harter Arbeit zu leisten? Die Berg- und Alpwirtschaft stellt sich diesen Herausforderungen, aber nicht mit Forderungen in der Schärfe dieser Initiative oder eines Gegenvorschlages. Der Bund ist gemeinsam mit uns gefordert. Mit dem Aktionsplan geht es klar in die richtige Richtung.