Wüthrich Adrian · Nationalrat · 2019-09-11
Wüthrich Adrian · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2019-09-11
Wortprotokoll
Es freut mich, dass die Fraktion, die Partei, der ich angehöre, eben auch zu dieser aufgeschlossenen zivilgesellschaftlichen Allianz gehört, die den Vaterschaftsurlaub unterstützt und auch unsere Initiative unterstützt, wie das viele Parteien und Organisationen in diesem Land tun; über 180 Organisationen tun das.
Die Schweiz ist ein familienpolitisches Entwicklungsland. Wir müssen etwas tun. Ich bin froh, dass wir heute einen Schritt machen können. Wir haben in den letzten Tagen eine kleine Umfrage gemacht. Da haben wir es einmal mehr gesehen. Wir haben es schon bei der Unterschriftensammlung gemerkt, dass die Leute angestanden sind, um unsere Initiative zu unterschreiben. Wir haben jetzt eine Umfrage gemacht und gefragt: Wollen Sie einen Vaterschaftsurlaub in der Schweiz? Wir haben ganz klare Resultate erhalten: 85 Prozent der Leute sagen ganz klar, sie wollen einen Vaterschaftsurlaub. Das Interessante ist, dass die Leute vier Jahre nach der letzten Umfrage sagen, sie wollen einen längeren Vaterschaftsurlaub. 76 Prozent der Befragten sagen, dass sie vier oder mehr Wochen Vaterschaftsurlaub oder Elternzeit wollen bzw. befürworten.
Sie sehen, es ist eine Entwicklung im Gang. Diese Entwicklung sehen wir auch bei den Familien und bei den Vätern, um die es in dieser Diskussion geht. Die Zeit für Haus- und Familienarbeit der Väter bzw. der Männer mit Kindern ist gestiegen. Die letzten Zahlen, die ich gefunden habe, sind von 1997. Diese Zeit ist von 21,7 Stunden in der Woche bis 2013 auf 27,6 Stunden gestiegen. Um 27 Prozent mehr haben sich die Männer mit Kindern in dieser Zeit für die Familienarbeit eingesetzt. Natürlich sind die Männer noch nicht so weit, der Kommissionssprecher hat es gesagt. Das ist auch ein Aufruf an die Männer, aktiver zu werden. Wir wollen das ja mit dieser Initiative in Gang bringen, ein Umdenken auch in unserer Gesellschaft, damit die Väter präsente Väter sein können.
Das können sie heute nicht, eben weil das staatlich verordnet ist. Unser heutiges Modell ist auch staatlich verordnet, weil es sagt: Die Mutter ist 14 Wochen zu Hause, kann durch den Mutterschaftsurlaub zu Hause sein, aber der Vater muss nach der Geburt, wenn es reicht für die Geburt, wieder zur Arbeit. Das entspricht nicht mehr dem, was die heutigen Familien wollen.
Die Väter wollen präsente und emotional involvierte Väter sein. Sie wollen sich mehr in der Familie engagieren. Sie wollen ihre Partnerinnen entlasten. Da kommt das wirtschaftliche Argument: Sie wollen das auch tun, damit ihre Partnerinnen, die Mütter, früher wieder zur Arbeit gehen können. Heute ist es selbstverständlich, dass beide voll in der Wirtschaft arbeiten, bevor sie Eltern werden. Sie sehen, wann Mütter ihr erstes Kind haben: Die Mütter und Väter werden immer älter. Das muss Ihnen zu denken geben, wenn wir über den Fachkräftemangel sprechen.
Es gibt aber auch die familienpolitischen Argumente: Ein Vaterschaftsurlaub stärkt die Beziehung zwischen Vater und Kindern, zwischen den Elternteilen, entlastet die Mütter und trägt so zur familiären Stabilität bei.
Die Gleichstellungsfrage ist ein anderes wichtiges Argument, ich habe es schon angetönt: Frauen brauchen echte Partner. Männer können dies nur sein, wenn ihnen mehr Zeit für einen guten Familienstart zur Verfügung steht. Sie können so die erforderlichen väterlichen Kompetenzen erwerben und sich auch längerfristig stärker an der Familienarbeit beteiligen, darum geht es ja.
Den Arbeitsmarktaspekt habe ich bereits erwähnt: Der Vaterschaftsurlaub bringt einen positiven Effekt auf die Erwerbsbeteiligung der Mütter, er ist ein unerlässlicher Pfeiler im Kampf gegen den Fachkräftemangel.
Ein letztes Argument ist die Demografie: Unsere Gesellschaft wird immer älter, wir haben immer weniger Kinder; Sie können das sehen. Deshalb ist auch hier der Vaterschaftsurlaub ein kleines, aber sehr wichtiges Puzzleteil der schweizerischen Familienpolitik.
Ich bitte Sie, dem indirekten Gegenentwurf gemäss den Minderheiten, die ich Ihnen schon präsentiert habe, zuzustimmen.