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Müller-Altermatt Stefan · Nationalrat · 2019-09-11

Müller-Altermatt Stefan · Nationalrat · Solothurn · CVP-Fraktion · 2019-09-11

Wortprotokoll

Kennen Sie die "Eselgeneration"? Diese Generation heisst "Eselgeneration", weil ihr alles aufgeladen wird. Das sind die, sagen wir mal, 30- bis etwa 45-jährigen Frauen und Männer, die jetzt eben Kinder haben - man hat die Kinder mittlerweile etwas später als noch vor ein paar Generationen. Es ist gleichzeitig die Generation, die Eltern hat, welche mitunter auch schon im fortgeschrittenen Alter sind oder die weit weg wohnen, weil man heute mobiler ist. Es ist die zahlenmässig schwache Generation nach dem Pillenknick, die mit weniger Menschen die gewachsene Wirtschaftsleistung dieses Landes erbringen muss. Es ist die Generation, die eben mit den weniger Menschen, die sie bilden, auch noch einen Beitrag an das Milizwesen leisten soll, von der Armee über die Gemeinden bis zu den Vereinen und den wohltätigen Institutionen.

Ich habe heute von Frau Herzog gehört, die Sozialwerke seien wegen der Demografie fast nicht mehr bezahlbar. Wir müssen wissen, wer die Sozialwerke in der heutigen Zeit trägt: Es ist diese "Eselgeneration", es ist die Generation, der wir all, all dies aufgeladen haben. Es ist die Generation, die in [PAGE 1455] der Rushhour des Lebens steht, in einer Rushhour, die heute noch viel intensiver, noch viel praller ist als früher.

Ich bitte Sie, wenn wir über den Vaterschaftsurlaub sprechen, die Situation dieser Generation vor Augen zu haben, denn bei dieser Generation müssen wir die grosse Linie markieren. Es geht doch hier nicht einfach nur um Rollenbilder, um Mann und Frau: Es geht um eine Generation! Wenn wir diese grosse Linie kennen, dann kommen wir uns, wenn wir uns in kleinen Details verlieren, vielleicht sogar ein bisschen kleinkariert vor.

Diese Generation stellt jetzt den Antrag, dass sie in dieser Rushhour des Lebens, wenigstens nach der Geburt der Kinder, in deren erstem Lebensjahr, für 4 Wochen uneingeschränkt Zeit für die Kinder erhält. Sie stellt den Antrag, dass die Rushhour während 4 Wochen an ihr vorüberziehe.

Dieser Wunsch entspringt nicht der Bequemlichkeit der jungen Eltern und auch nicht einer überbordenden Anspruchshaltung. Im Gegenteil: Er entspringt dem Wunsch, dass die Väter, um die es hier letztlich geht, eben noch mehr Verantwortung übernehmen können, dort, wo sie am allermeisten gebraucht werden: in der Familie, in der Keimzelle unseres Gemeinwesens.

Mir ist sonnenklar - das haben wir heute auch gehört -, dass diese Verantwortung weiter geht als jene nur während des ersten Lebensjahrs. Ich weiss auch, wovon ich rede; ich habe selber vier Kinder. Die Unterstützung durch den Staat und durch die Wirtschaft, damit man diese Verantwortung wahrnehmen kann, wirkt aber eben genau in diesem ersten Lebensjahr am meisten. Sie wird sich für Staat und Wirtschaft auch auszahlen, weil diese Unterstützung nicht nur Kosten verursacht, sondern auch wieder einen Gewinn abwirft. Es ist insofern ein Gewinn, als die "Eselgeneration" ihre Aufgaben wieder wahrnehmen kann. Es gibt auch viele, meistens grössere Unternehmen, die das wissen. Diese gewähren deswegen einen grosszügigen Vaterschaftsurlaub. Die KMU können das in der Regel nicht tun. Genau deshalb, für die KMU, wollen wir eben auch einen staatlichen Vaterschaftsurlaub. Diese sind darauf angewiesen, damit sie den Anschluss nicht verlieren.

Es waren diese grossen Linien, es war die unbedingte Notwendigkeit eines Vaterschaftsurlaubs für diese Generation in unserer veränderten Gesellschaft, die mich bewogen haben, beim Initiativkomitee mitzumachen. Die vorgeschlagenen 4 Wochen sind ein massvoller Vorschlag. Sie sind bereits ein Kompromiss, wenn man auf die europäische Landkarte schaut. Eigentlich ist es, wenn man sich die Situation in der Schweiz vor Augen führt, fast schon traurig, dass meine Partei und nun die Kommission diesen Gegenvorschlag mit den 2 Wochen überhaupt machen müssen, damit man dann wenigstens so viel, diesen ganz kleinen Spatz, in der Hand hält.

Für mich ist also klar: Ich befürworte diese Initiative, ich sage auch Ja zum Gegenvorschlag, weil ich einsehe, dass es in diesem trägen Parlament, das mitunter etwas weit weg ist von der Lebensrealität unserer Familien, halt einfach diesen ersten Schritt braucht. Bitte sagen auch Sie Ja. Ich danke Ihnen herzlich.