Glättli Balthasar · Nationalrat · 2019-09-11
Glättli Balthasar · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2019-09-11
Wortprotokoll
Wir sprechen heute über zwei ganz unterschiedliche Anliegen: über den Vaterschaftsurlaub auf der einen und über eine Elternzeit auf der anderen Seite.
Ein bezahlter Vaterschaftsurlaub von 4 Wochen müsste eigentlich schlicht eine Selbstverständlichkeit sein, für die Mutter, für den Vater, für das neugeborene Kind und vielleicht auch für seine Geschwister. Ich hatte das Privileg, dass ich mir einen Vaterschaftsurlaub von 4 Wochen leisten konnte, als vor gut 19 Monaten meine Tochter zur Welt kam. Ich möchte keine Sekunde davon missen, obwohl ich die Bezeichnung "Urlaub" für diese Zeit nicht gerade treffend finde. Es war für alle von uns eine aufwühlende Zeit. Es war eine Zeit, in welcher man sich und seine Partnerin [PAGE 1457] beziehungsweise seinen Partner ganz neu kennengelernt hat. Es war eine Zeit, die für das Paar - für jedes Paar, wie ich denke - und natürlich auch für die neue Familie ganz wichtig war. Ich will, dass ein solcher Vaterschaftsurlaub kein Privileg von Familien bleibt, die dafür die finanziellen Mittel haben. Ich will, dass es kein Privileg jener ist, die bei einer fortschrittlichen Firma arbeiten. Ein Vaterschaftsurlaub muss ein Recht sein, kein Privileg.
Es wird gesagt, dass fortschrittliche Firmen das ja heute schon machen. Da muss ich Ihnen sagen: Nicht alle Firmen haben finanziell die gleiche Möglichkeit, das zu machen. Genau deshalb braucht es eben eine Regelung, zu welcher alle etwas beitragen und bei der alle betroffenen KMU dann auch etwas erhalten können.
Ich komme zum zweiten Punkt, zur Elternzeit: Hier geht es aus meiner Sicht um etwas ganz anderes. Es geht nicht nur um die Frage der Kinder, um die Frage der jungen Familien, sondern im Kern um die Frage der Gleichstellung in der Gesellschaft. Es geht darum, dass heute Frauen ab dem Moment, in dem sie ein Kind haben, strukturell schlechtergestellt werden. Es geht darum, dass heute Frauen, weil sie ein Kind haben könnten, strukturell schlechtergestellt werden. Die Frage nach der Familienplanung oder ob allenfalls ein Kind unterwegs sei, ist zwar verboten, wenn man jemanden anstellt. Ich muss Ihnen aber ehrlich sagen: Ich habe auch schon Menschen angestellt, und man macht sich im Hinterkopf diese Überlegungen, wenn man ganz ehrlich ist. Man weiss: Diese Frau könnte vielleicht ein Kind kriegen, dann wird sie für eine Zeit fehlen, was ja richtig ist, was sie auch tun können soll. Aber es sollte so sein, dass ich mir diese Überlegung nicht mehr machen muss, weil ich weiss, dass ein Mann, wenn ich einen anstelle, genau gleich lange fehlen wird, wenn ein Kind in seine Familie kommt. Deshalb ist die Elternzeit eben vor allem auch ein Gleichstellungsanliegen.
Sie haben gesagt, das sei unbezahlbar. Ich sage: Ja, das ist eben ein unbezahlbarer Schritt vorwärts für die Gleichstellung. Deshalb müssten wir auch Ja sagen zu einer korrekten Elternzeit. Sie sagen, das seien Milliarden, die falsch investiert seien. Ich sage Ihnen: Ich will in die Zukunft investieren, in die Gleichberechtigung statt in Kampfjets und neue Strassen. Investieren wir in Bébés statt in Bomben und Beton.