Estermann Yvette · Nationalrat · 2019-09-11
Estermann Yvette · Nationalrat · Luzern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2019-09-11
Wortprotokoll
Ein altes chinesisches Sprichwort sagt, jedes Ding hat drei Seiten: Die eine sehe ich, die andere siehst du, und die dritte sieht keiner von uns zwei. Ich war heute Vormittag und heute Nachmittag hier und habe alle Voten gehört. Wir wären, durch die Blume gesagt, hier wahrscheinlich so weit, dass wir zweihundert verschiedene Lösungen präsentieren könnten - jeder nach seinem Blickwinkel. Das ist so. Und am Abend haben wir hier in diesem Saal eine Lösung. Für den einen ist das vielleicht eine minimale Lösung. Für den anderen ist es schon zu viel.
Es ist meine Überzeugung und ein Grund meiner Skepsis gegenüber dieser Initiative und dem Gegenentwurf, dass wir hier ja auch etwas nicht tun möchten. Seit längerer Zeit tut sich ein Graben zwischen Kinderlosen und Eltern auf. Warum? 1970 gab es noch 70 Prozent Familien oder Haushalte mit Kindern. Heute sind es 57 Prozent. Es entspricht vielleicht auch der heutigen Zeit, dass man einfach eher auf das Kinderhaben verzichtet. Man kann rätseln, was die Gründe dafür sind. Was wir aber nicht tun sollten: Wir sollten diese Gräben nicht noch tiefer graben. Wir sollten sie zuschütten. Wenn Sie mit Kinderlosen sprechen, sagen diese Ihnen vielleicht: "Wissen Sie was? Wir zahlen schon für Schulen, für Kinderbetreuung, wir zahlen für Tagesstrukturen - und jetzt kommt auch noch der Vaterschaftsurlaub!" Die Gräben sollte man eher zuschütten, als sie weiter und grösser zu machen.
Wir haben hier eine Lösung, ob mit oder ohne Vaterschaftsurlaub. Ich wünsche allen Eltern, dass sie die Kinder und die Zeit mit den Kindern geniessen können. Ich bin dafür, dass wir eine eigenständige und eigenverantwortliche Lebensführung haben, dass wir Lösungen suchen. Es ist nicht immer gut, wenn der Staat jede Lücke füllt und immer vorschreibt, was man in dieser Phase seines Lebens tun soll. Ich wünsche allen wirklich nur das Beste und hoffe, dass dieser Saal dann eine gute Lösung präsentiert. Wir hören dann ja noch weitere Voten und hören nachher auch, was der Herr Bundesrat darüber denkt.