Streiff-Feller Marianne · Nationalrat · 2019-09-11
Streiff-Feller Marianne · Nationalrat · Bern · CVP-Fraktion · 2019-09-11
Wortprotokoll
Die EVP Schweiz engagiert sich seit ihrer Gründung für das Wohl von Familien. Dazu gehören der Schutz der Partnerschaftlichkeit in der Familie, das Wohl der Kinder und die Aufwertung der Familienarbeit. Bereits vor neun Jahren reichte ich eine Motion für einen Vaterschaftsurlaub ein, die leider im Silo der unbehandelten Vorstösse verschwand.
Ein konsequenter Vaterschaftsurlaub trägt den grossen Veränderungen im Familienalltag Rechnung, die eine Geburt nach sich zieht. Ein guter Start braucht Zeit, Ruhe und Geborgenheit. Meines Erachtens erlauben es 20 Tage, im Sinne eines partnerschaftlichen Familienmodelles Ressourcen für die neue Organisation und Aufgabenteilung in der Familie zu investieren. Dies kommt dem Bedürfnis vieler Väter entgegen, in der Familie zusätzlich Verantwortung übernehmen zu können. Familienarbeit wird damit aufgewertet.
Väter können von Beginn an eine Bindung zum Neugeborenen aufbauen, eine adäquate Begleitung und Betreuung der Geschwister übernehmen und zusammen mit den Müttern im Familienleben Präsenz markieren. Mittelfristig erlaubt ein konsequenter Vaterschaftsurlaub auch einen reibungslosen Übergang der Mütter in die Erwerbstätigkeit, da Väter dann besser in die Familienarbeit eingebunden sind.
Die EVP Schweiz hat die Initiative unterstützt. Der Ständerat hat einen indirekten Gegenvorschlag präsentiert. Dieser definiert die Eckpunkte eines der Gegenwart angepassten Vaterschaftsurlaubs gut. Meines Erachtens trägt die flexible Bezugsmöglichkeit den Bedürfnissen der Familien und der Arbeitgebenden Rechnung. Der Zeitrahmen erlaubt Planbarkeit bei den Abwesenheiten der Arbeitnehmer und kommt den organisatorischen Herausforderungen der kleineren und mittleren Unternehmen entgegen. Die Form, Höhe und Bemessung der Entschädigung, die sinngemäss jenen der Mutterschaftsentschädigung entsprechen, sind meines Erachtens sinnvoll und angebracht.
Allerdings denke ich, dass der Zeitrahmen, wie er von der Mehrheit im indirekten Gegenentwurf definiert ist, also 2 Wochen, dem heutigen Bedürfnis von Familien unzureichend Rechnung trägt. Deshalb empfehle ich, der Minderheit V (Wüthrich) zu folgen, die den Anspruch auf 28 Tage erhöht. Eine Elternzeit ist sicherlich das Modell der Zukunft. Allerdings ist das für die KMU nur schwer umsetzbar. Deshalb lehnen wir die vorgeschlagenen Lösungen ab.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir sowohl die Initiative als auch den indirekten Gegenentwurf annehmen werden, allerdings werde ich mich für einen Urlaub von mindestens 20 Tagen einsetzen, da 20 Arbeitstage sinnvoll, machbar, bezahlbar und für ein zeitgemässes Familienleben nötig sind. Die zusätzlichen Kosten entsprechen durchschnittlich dem Preis einer Tasse Kaffee pro Monat und Person. Das sollte doch für Arbeitnehmende und Arbeitgebende durchaus tragbar sein. Familien sind für das Wohlergehen und die Zukunft der Schweiz zentral. Es ist unabdingbar, dass von Beginn an dem Familienleben bestmögliche Chancen gegeben werden.