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Graf Maya · Nationalrat · 2019-09-11

Graf Maya · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2019-09-11

Wortprotokoll

Gerne möchte ich Ihnen zu Beginn meine Interessenvertretung in diesem Geschäft bekanntgeben: Ich bin Co-Präsidentin von Alliance F.

Vor gut zwei Jahren hat Alliance F zusammen mit Travail Suisse, dem Verein Männer.ch und Pro Familia Schweiz die Volksinitiative "für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub - zum Nutzen der ganzen Familie" eingereicht, über die wir heute sprechen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Umsetzung der tatsächlichen Gleichstellung ist ein Verfassungsauftrag. Als Vizepräsidentin des Vereins "Vaterschaftsurlaub jetzt!" möchte ich Sie daher heute bitten, der Forderung der Initiative nach 4 Wochen Vaterschaftsurlaub zuzustimmen. Das ist bereits ein Kompromiss und ein absolutes Minimum auf dem Weg zu einer echten Elternzeit. Seine Einführung ist ein dringendes Gebot der tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter, der väterlichen Präsenz in der Kinderbetreuung, einer fairen Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern und ein Beitrag zur Behebung des Fachkräftemangels.

Der Vaterschaftsurlaub entspricht einem grossen Bedürfnis in der Gesellschaft, in der Bevölkerung. Dies hat in den letzten Tagen die neueste Umfrage zum wiederholten Mal gezeigt: Fast 85 Prozent der Befragten wollen einen bezahlten Vaterschaftsurlaub, und ganze 76 Prozent der Stimmberechtigten würden zum heutigen Zeitpunkt dieser Initiative eher oder ganz zustimmen.

Der Lancierung dieser Volksinitiative sind ja so viele Jahre vorausgegangen, in denen der Gesetzgeber wiederholt die Notwendigkeit eines Vaterschaftsurlaubs verneint hat. Es ist daher dieser Initiative zu verdanken, dass wir nun endlich nicht nur intensiv darüber sprechen, sondern dass auch eine Lösung vorliegt, auch wenn sie noch das Minimum vom Minimum ist.

Der Vaterschaftsurlaub ist der erste Schritt hin zu einer Elternzeit. Nur die Elternzeit ermöglicht die hälftige Aufteilung zwischen den Elternteilen. Dies ermöglicht es den Eltern, auch nach der Geburt eines Kindes ihre Erwerbsbiografien weiterzuentwickeln und miteinander eine faire Arbeitsteilung auszuhandeln und auch so durchzuführen.

Ein 2-wöchiger Vaterschaftsurlaub ist zu wenig, um das bestehende Rollenverhältnis aufzubrechen. Nur ein Vaterschaftsurlaub, der mindestens 20 Tage dauert, kann das leisten. Er muss und wird die Erwerbskontinuität der Mütter stärken und hilft so, das Karriererisiko Familiengründung für Frauen zu mindern; er leistet einen Beitrag gegen den Fachkräftemangel, den wir in der Schweiz haben; und er gibt Paaren Anreize, die Erwerbs- und Betreuungsarbeit fairer aufzuteilen. Er sticht auch als Argument im internationalen Wettkampf um die besten Arbeitskräfte. Ich verstehe nicht, warum gerade die KMU und die Kleinen sich so dagegen wehren. Möchten sie wirklich, dass die grossen Arbeitgeber in unserem Land mit ausgedehntem Vaterschaftsurlaub ihnen die besten Arbeitskräfte abwerben?

Immer noch - und das ist ein weiterer Punkt - leisten Mütter den Grossteil der Betreuungs- und Haushaltsarbeit, und immer noch tragen heute Mütter das Karriererisiko Familiengründung allein, während die rationale Wahl für die Familie auch heute noch darin besteht, dass der Vater die Erwerbsarbeit in unverändertem Vollpensum aufrechterhält. Die Folgen sind bekannt. Der Karriereknick der Mutter setzt sich in einem dauerhaft niedrigen Einkommen und geringeren Aufstiegschancen fort, im Alter gar mit einer kleineren Rente. Das Potenzial gutausgebildeter Frauen als Fach- und Führungskräfte liegt brach. Ich denke, das können wir uns in der Schweiz nicht länger leisten. In den Geschäftsleitungen der hundert grössten Schweizer Unternehmen sitzen noch immer 90 Prozent Männer. Ganz zu schweigen davon, dass eine systematische, de facto gesetzlich bedingte Ungleichverteilung der Erziehungs- und Erwerbszeit den Verfassungsauftrag der tatsächlichen Gleichstellung in allen Lebensbereichen eigentlich unterminiert.

4 Wochen Vaterschaftsurlaub sind bereits ein Minimum, ein Kompromiss. Machen wir heute diesen ersten Schritt Richtung Elternzeit! Wir sind ein fortschrittliches Land. Wir sagen zu Recht, wir haben Innovationskraft. Wir sind eines der reichsten Länder der Welt. Seien wir fortschrittlich, innovativ, und investieren wir in die Gleichstellung und eben in die Elternzeit oder hier als ersten Schritt in einen Vaterschaftsurlaub, der diesen Namen verdient.

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