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Molina Fabian · Nationalrat · 2019-09-11

Molina Fabian · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2019-09-11

Wortprotokoll

Ich habe keine Kinder. Wenn ich mir die Argumente der rechten Ratsseite zu einer "Papizeit" von 2 Wochen anhöre, dann bin ich mir auch überhaupt nicht sicher, ob ich je welche haben möchte.

Ich stamme aus einer Generation, die die echte Gleichstellung aller Geschlechter haben will. Das heisst, dass niemand aufgrund seines Geschlechts benachteiligt wird und dass alle Geschlechter die gleichen Chancen haben. Wir wollen diese Gleichberechtigung der Geschlechter nicht irgendwann, sondern wir wollen sie genau jetzt. Das gilt eben auch für die Männer. Es ist schlicht lächerlich, wenn die Gleichen, die über den Feminismus und die angebliche Diktatur der Frauen [PAGE 1471] jammern, jetzt gegen eine Massnahme sind, die den Männern mehr Rechte gewährt. Es ist schlicht unglaubwürdig, wenn sie behaupten, sich für Männerrechte einzusetzen, es aber Millionen von Vätern in unserem Land verweigern, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen.

Gute Politik heisst, die Bedürfnisse aller Menschen und nicht Profitinteressen ins Zentrum zu stellen. Und wenn Sie es zu teuer finden, auch für Eltern und die Kinderbetreuung Politik zu machen, dann sollten Sie wenigstens ehrlich sein: Die Gewinne von ein paar Unternehmen sind Ihnen wichtiger als glückliche, gleichberechtigte und aufgehobene Kinder.

Dass wir hier ernsthaft darüber diskutieren, ob ein einziger freier Tag bei der Geburt eines Kindes ausreichend ist, ist schlichtweg absurd. Es reiht sich aber in die Bilanz des Parlamentes der letzten vier Jahre ein: Sozialer Fortschritt kommt nicht aus dem Nationalrat, kommt nicht vom Bund. Genau deshalb lanciert die SP diesen Samstag im Kanton Zürich eine Initiative für eine Elternzeit von 36 Wochen für beide Elternteile. Das ist eine Familienpolitik, die ermächtigt und befreit, und es wäre schön, wenn eine solche Politik in Zukunft auch im Nationalrat gemacht würde. Dann müssten sich weniger junge Menschen in der Schweiz überlegen, ob sie überhaupt Kinder haben wollen. Dann würde es für alle einfacher, für die Kinder, für die Eltern, für die Grosseltern, für die Schule und für die ganze Gesellschaft.

Machen wir heute diesen kleinen - man könnte sagen: winzigen -, aber wichtigen Schritt, und sagen wir Ja zu 4 Wochen "Papizeit".