AB 251333
Kuprecht Alex · Ständerat · Schwyz · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2019-09-18
Wortprotokoll
Ich habe es in meiner beruflichen Tätigkeit mehrmals erlebt, dass gerade die kollektive Taggeldversicherung - und von der sprechen Sie - eigentlich defizitär verläuft. Das ist meistens dann der Fall, wenn die wirtschaftliche Situation eher schlecht ist und nicht zuletzt auch die Möglichkeit gesucht wird, Mitarbeiter eventuell in den Krankenstand hinein zu begleiten; ich sage das jetzt mal so.
Wenn Sie über Jahre in einem bestimmten Branchenbereich Defizite schreiben, dann müssen Sie die Möglichkeit haben, diese Verträge auch zu sanieren. Eine Versicherungsunternehmung ist nicht irgendeine Institution, die einfach Geld verteilt, sondern sie muss schauen, dass die Einnahmen mindestens so gross sind, dass sie die Ausgaben decken. Sie können ein Defizit vielleicht ein, zwei Jahre lang auffangen, weil Sie Reserven gebildet haben. Aber stellen Sie sich jetzt vor: Wenn Sie über fünf, sechs, sieben Jahre immer wieder Defizite schreiben, dann müssen Sie defizitäre Verträge kündigen oder die Prämien entsprechend anpassen. Es gibt diese zwei Varianten. Aber wenn die Prämien generell angepasst werden müssen - für alle Versicherungsnehmer -, dann bestrafen Sie auch diejenigen, die einen positiven Schadenverlauf haben, anstatt nur diejenigen, die einen negativen Schadenverlauf haben.
Darum muss die Versicherungseinrichtung die Möglichkeit haben, zugunsten des Schutzes derjenigen, die einen positiven Verlauf haben, die Verträge entweder zu sanieren oder den entsprechenden Vertrag eben zu kündigen. Wenn sie diese Möglichkeit nicht hat, dann wird die Solidarität derjenigen, die einen positiven Verlauf haben, die wenig Krankheitsfälle in ihrem Betrieb haben, natürlich sehr stark strapaziert. Diese werden irgendwann auch zum Handkuss gebeten, um die Mehrprämien zu zahlen, damit der Verlauf dieses Zweiges nicht mehr defizitär ist. Das ist die Realität, wie ich sie erlebt habe.