Sommaruga Simonetta · Bundesrat · 2019-12-05
Sommaruga Simonetta · Bundesrat · Bern · 2019-12-05
Wortprotokoll
Ich kann Ihnen versichern, der Wald ist mir mindestens so wichtig wie Herrn Fässler, obwohl ich keine Waldbesitzerin bin. Ich denke, die Funktion des Waldes hat in einem dicht besiedelten Land wie unserem auch einen ganz besonderen Stellenwert. Wir versuchen jetzt, die vielen verschiedenen Ansprüche an den Wald in Einklang zu bringen. Das weiss Herr Fässler auch: Es gibt unterschiedliche Ansprüche an den Wald. Was aber auch klar ist: Die Holznutzung leistet einerseits einen wichtigen Beitrag an den Erhalt der Waldfunktionen, wie z. B. der Schutzfunktion und der Biodiversität, und andererseits kann die Holznutzung uns natürlich auch im Bereich Klima und Energie sehr viel bieten. Ich denke, diese Kombination ist ja eigentlich eine sehr attraktive Grundvoraussetzung.
Wir haben aber alle beobachtet, dass sich der Wald in den vergangenen Jahren - ich würde sagen: in den vergangenen zehn Jahren - stark verändert hat. Früher hatte man ungefähr alle zehn Jahre einmal Schadenereignisse, die den Wald heimsuchten; heute ist das praktisch jährlich der Fall. Es gibt dann auch kombinierte Effekte: Es gibt Stürme, Schneedruck, Hitze, Trockenheit. Das ist für die einzelnen Bäume oder auch für ganze Gruppen von Bäumen eine Riesenherausforderung. Dies bringt zum Teil die Bäume zum Absterben und setzt den Wald insgesamt unter grossen Stress. Deshalb ist eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes, auch eine intelligente Nutzung von Holz in einer Kaskade oder in einem Kreislauf vom Baustoff bis zum Brennstoff, etwas enorm Wichtiges - wie gesagt auch für das Klima, für die Umwelt.
Nun, Herr Ständerat Fässler, Sie haben gesagt, die Antworten des Bundesrates seien noch etwas wenig konkret. Ich muss Ihnen vielleicht einfach sagen, aber wahrscheinlich wissen Sie das: Das Bundesamt für Umwelt ist ja zurzeit daran, die Weiterentwicklung der Ressourcenpolitik Holz zu erarbeiten. Die Inhalte für das Umsetzungsprogramm 2021-2027 werden jetzt erarbeitet, unter Einbezug von Expertinnen und Experten aus der Forschung, aus der Wirtschaft, aus den Umweltverbänden. Zusätzlich besteht jetzt im Rahmen des CO2-Gesetzes - ich schaue Herrn von Siebenthal an, weil das CO2-Gesetz jetzt in den Nationalrat kommt - [PAGE 1083] die Möglichkeit, wirklich auch verbautes Holz als Kompensationsmassnahme im Inland geltend zu machen. Das ist natürlich etwas sehr Attraktives. Wir haben auch heute schon gewisse Anreize für Investitionen in die Weiterverarbeitung von Holzprodukten. Es hat auch schon eine gewisse Wirkung gezeigt, aber ich teile Ihre Meinung: Wir können hier mehr tun, wir haben hier wirklich ein hochattraktives Produkt, eine Ressource, die wir in der Klima- und Umweltpolitik auch noch besser und stärker einsetzen können.
Ich bin mir bewusst, dass die gesamte Wertschöpfungskette noch weiter geschlossen werden kann. Wie gesagt, wir müssen uns immer dann unterhalten, wenn wir Interessenkonflikte haben - die gibt es in diesem Bereich -, aber ich denke letztlich, dass wir die Zusammenarbeit in der Kaskade vom Wald über das Holzprodukt bis zur Holzenergie noch weiter stärken können. Sie kennen auch den Aktionsplan Holz 2017-2020, den es bereits seit zwei Jahren gibt. Das Budget des Bundes betrug für diese vier Jahre rund 16 Millionen Franken, wir können aber das Aktionsprogramm aufgrund der Weiterentwicklung der Ressourcenpolitik Holz auch wieder entsprechend anpassen. Hier haben Sie in mir sicher eine Verbündete. Wenn Sie Ihre guten Ideen einbringen, können wir diese auch umsetzen. Nutzen Sie zum Beispiel jetzt die Revision des CO2-Gesetzes, damit wir dort im Sinn unserer Umwelt- und Klimapolitik diese Möglichkeiten und Chancen noch besser nutzen!