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Rüegger-Hurschler Monika · Nationalrat · 2019-12-17

Rüegger-Hurschler Monika · Nationalrat · Obwalden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2019-12-17

Wortprotokoll

Laut dem Sorgenbarometer sind für die Schweizerinnen und Schweizer die zwei grössten Sorgen die Altersvorsorge und die Gesundheitskosten. Auch die Sorge um genügend Plätze in den vorhandenen Alterseinrichtungen mit genügend Personal ist allgegenwärtig. Und wenn - zusätzlich zur stark anwachsenden Zuwanderung - auch noch die sogenannten Babyboomer ins Alter kommen, dann fragt sich tatsächlich: Können wir das alles finanziell und strukturell stemmen? Ja, meine Damen und Herren, das sind die wahren Sorgen unserer Bürger.

Die Initiative und der indirekte Gegenvorschlag wollen dem entgegenwirken. Dafür werden mehr Unterstützung in der Ausbildung und mehr Kompetenzen für das Pflegepersonal gefordert. Der Pflegeberuf soll attraktiver gemacht werden, damit es nicht zu einem Notstand beim Pflegepersonal kommt - das will schliesslich niemand.

Laut Statistik liegt der Durchschnitt aller OECD-Länder bei 9 Pflegepersonen auf 1000 Einwohner. Die Schweiz liegt mit fast doppelt so vielen, also mit 17,4 Pflegefachpersonen auf 1000 Einwohner, an der absoluten Spitze. Kein anderes Land hat eine so hohe Pflegepersonaldichte wie die Schweiz, und trotzdem befürchtet man eine Personalverknappung. Von allen Pflegefachpersonen haben zwei Drittel ihr Wissen über eine akademische Laufbahn erlangt und gerade einmal ein Drittel über eine Berufslehre.

Ja, was braucht es denn wirklich in der Alters- und Krankenpflege? Wie viel Pflege, Betreuung und Aufmerksamkeit schenken wir unserer hilfsbedürftigen älteren Generation, unseren Kranken in der Krankenpflege? Oder wie können wir Angehörige mit Pflegehilfe unterstützen, um eine allfällige Heimeinweisung zu verzögern? Braucht es tatsächlich eine weitere Verakademisierung der Ausbildung, um einer optimalen Pflege gerecht zu werden? Nein!

Wir sollten den Fokus vielmehr auf die Förderung und Unterstützung der Ausbildung auf der Sekundarstufe II legen. Das würde übrigens rund 80 Prozent unserer jungen Schulabgänger entsprechen. Wir sollten den Fokus vermehrt auf Frauen und Männer legen, die in den Pflegeberuf wiedereinsteigen möchten und dabei eine grosse persönliche Lebenserfahrung mitbringen, oder auf Leute, die beruflich umsatteln möchten, um im Pflegeberuf ihre Erfüllung zu finden.

Um den Pflegeberuf wirklich attraktiver zu machen, braucht es die nötige Wertschätzung für diesen Beruf. Es braucht ein gutes Umfeld im Team, es braucht Leute, die gerne pflegen, die Verständnis, Geduld und Leidenschaft mitbringen, die gerne hilfsbedürftigen Leuten helfen und dabei Verantwortung übernehmen. Für all diese Fähigkeiten, für diese zwischenmenschlichen Qualitäten braucht es keine akademische Laufbahn. Vielmehr braucht es Leute, die sich zu diesem Beruf berufen fühlen - junge Leute mit einer Berufslehre, Wiedereinsteiger mit Lebenserfahrung oder Quereinsteiger aus Überzeugung. Hier liegen doch die eigentlichen Ressourcen. Nehmen wir die Sorgen der Bevölkerung ernst und tun wir was! In der Initiative wie im Gegenvorschlag fehlen die wirklich alltagstauglichen Lösungen zur Förderung der Pflegeberufe.