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Lalive d'Epinay Maya · Nationalrat · 2002-09-30

Lalive d'Epinay Maya · Nationalrat · Schwyz · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2002-09-30

Wortprotokoll

Ich bedaure die Antwort des Bundesrates auf meine Interpellation, in der ich gefragt habe, ob Möglichkeiten bestünden, Informatik und neue Kommunikationstechnologien als Maturafach zu führen. Ich weiss, dass gerade die Mittelschulen, die Gymnasien, heute eine grosse Stoffmenge "abarbeiten" müssen und dass es nicht viele Lücken im Lehrplan gibt. Aber ich glaube, wenn wir diese Kompetenzen nicht auch an diesem Ort, auf Gymnasialstufe, aufbauen, machen wir mittelfristig einen Fehler.

Der Zustand an den Gymnasien in Bezug auf die ICT-Kompetenz ist nicht so gut, wie man manchmal glauben möchte. Ich habe einige Schreiben von Gymnasiallehrern erhalten, die mir ihre Besorgnis im Nachgang zu meiner Interpellation mitgeteilt haben. Ich habe auf der anderen Seite auch Schreiben und Telefonate von Professoren von Hochschulen bekommen, die beklagen, dass die Gymnasiasten, die heute aus den Mittelschulen kommen, in Bezug auf ihre ICT-Kompetenz Anfänger seien, gewissermassen Abc-Schützen, und dass man in vielen Fächern auch inhaltlich auf dem gewohnten Niveau gar nicht weiterarbeiten könne, weil die Gymnasiasten für dieses Arbeitsinstrument, für dieses Handwerk, und in der Denkweise nicht die entsprechende Kompetenz mitbringen würden. Der Bundesrat bezieht sich in seiner Antwort auf die Vernehmlassung von 1994 für den Rahmenlehrplan der Eidgenössischen Erziehungsdirektorenkonferenz für die Maturitätsschulen. Dort wurde gemäss Vernehmlassung statt eines eigenen Faches zum Thema ICT ein interdisziplinärer Zugang gewünscht.

Ich denke, dass dies 1994 allen Ernstes auch noch so ausgesehen hat und man meinte, das Problem auch so lösen zu können. Immerhin sind inzwischen acht Jahre vergangen, und im ICT-Bereich ist einiges passiert, Positives wie Negatives, das wir uns damals nicht hätten vorstellen können. Meines Erachtens reicht es aber nicht aus, nur über die Interdisziplinarität den Zugang zu suchen: Es ist ganz wichtig, dass man das Arbeitshandwerk, dass man die Basis beherrscht. Es ist wichtig, dass man die Informatik als Arbeitsinstrument lernt und dass man auch die Denkart, die dahintersteht, lernt. Diese haben wir - alle, die wir hier drinnen sitzen, mit ganz wenigen Ausnahmen - nämlich noch nicht gelernt. Wir sind in einem gewissen Sinne eigentlich Laien, die zwar das Handwerk beherrschen, allenfalls einen PC bedienen können, aber uns über die Möglichkeiten, die in den Informationstechnologien stecken, nicht im Klaren sind und sie dann im Beruf oder anderweitig auch nicht nutzbringend anwenden können. Genauso wie z. B. das Latein eine gute Übung ist, um das logische Denken zu fördern, und heute nach wie vor Maturastoff ist, ist das Erlernen der ICT eine gute Übung, um das entsprechende Denken zu lernen.

Wir wissen, die ICT werden eine Schlüsselkompetenz der Zukunft sein, nicht nur für die Handhabung, sondern vor allem auch für unsere Wirtschaft. Künftige Produkte und Dienstleistungen werden stark ICT-basiert sein. Schon in der Entwicklung, überhaupt schon in der Ideenfindung eines Produktes wird das ganz wichtig sein. Wenn wir uns mit dem Ausland vergleichen, sehen wir, dass wir auch in diesem Bereich in unseren Schulen nicht an vorderster Front dabei sind, und wir werden mittelfristig damit einen Standortfaktor vergeben. Ich bin davon überzeugt, dass ICT die Gesellschaft fundamental verändern wird, viel stärker, als wir uns dessen heute bewusst sind. Es ist wie bei der Medienkompetenz: Wenn man die Kompetenz hat, kann man mit einem Überfluss oder auch mit schwierigen und kritischen Situationen umgehen lernen; wenn man sie nicht hat, kann man das nicht.

In der Antwort wurde die Initiative "Public Private Partnership - Schulen ans Netz" erwähnt. Das ist richtig und wichtig, und ich bin sehr froh, dass es diese Initiative gibt. Aber sie wirkt primär im Bereich der Grundschulen, der obligatorischen Schulzeit, und weniger im Bereich der Gymnasien. Es ist deshalb extrem wichtig, dass entsprechende Vertiefungsprogramme und Initiativen auf der Ebene der Gymnasien bestehen. Am besten wäre dies zu erreichen, indem man effektiv ein Basisfach Informations- und Kommunikationstechnologien, kombiniert mit Medienkompetenz, einführen würde. Mir wäre sehr daran gelegen, dass man zumindest bei der nächsten Revision oder einer anstehenden Revision der Maturitätsanerkennung auf dieses Thema zurückkommt.

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