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Glarner Andreas · Nationalrat · 2020-03-09

Glarner Andreas · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2020-03-09

Wortprotokoll

Seit Jahrzehnten schröpfen internationale und auch Schweizer Konzerne die Schweizer Konsumenten gezielt. Und ja, auch unsere zwei grossen Detailhändler machten mit, bis endlich zwei Spielverderber den Markteintritt wagten. Erst als die zwei grossen deutschen Player in den Markt einstiegen, wurde der Gottesdienst der zwei marktmächtigen Detailhändler nachhaltig gestört. Seither gibt es plötzlich wöchentlich Aktionen, gerade im Bereich Lebensmittel und Körperpflege. Doch noch immer werden unsere KMU, unsere Detailhändler, unsere Gastronomen, vor allem aber unsere Konsumenten und Konsumentinnen von Konzernen geschröpft und abgezockt. Dies muss endlich ein Ende haben!

Es wird oft argumentiert, dass dann aber auch die Löhne sinken würden. Dies ist schlicht unwahr und geradezu infam. Denn gerade die, die dies behaupten, wissen es besser: Die Löhne machen gemäss einer Studie des Instituts BAK Basel im Vergleich zu Deutschland nur 6 Prozent der Differenz aus. Dazu kommen die Vorleistungen, welche maximal 10 Prozent höher sind als beispielsweise in Deutschland. Also ist maximal ein Unterschied von 16 Prozent gerechtfertigt. Alles andere ist Abzockerei zulasten der Schweizer Konsumenten.

Für jene, die sich beklagen, dass unsere Familien in Deutschland einkaufen: Hier können Sie aktiv mithelfen, die Preise zu senken, damit wieder mehr hier, bei uns im eigenen Land, eingekauft wird. Auch wird mit der Liefersicherheit argumentiert. Dies ist wohl die grösste Lachnummer, denn wenn [PAGE 216] mehrere Lieferanten liefern dürfen, steigt doch die Liefersicherheit und nicht umgekehrt. Wer das Gegenteil behauptet, hat schlicht keine Ahnung vom Markt!

Ich gebe Ihnen einige Beispiele: Der Preis für die Tönung einer gewissen Marke ist in der Schweiz doppelt so hoch wie in Deutschland. Bei Kleidern ist der Preis locker 35 Prozent teurer oder gar doppelt so hoch. Ein besonders krasses Beispiel sind die Nivea-Produkte des Beiersdorf-Konzerns, die in Deutschland günstiger verkauft werden, als der Händler sie in der Schweiz einkaufen kann. Aber auch Schweizer Produkte wie Kägi-Fret oder Produkte von Schweizer Firmen wie Mibelle werden in Deutschland und im anderen europäischen Ausland massiv günstiger verkauft. Im Gastrobereich finden sich Hunderte Beispiele einer aktiven Abzockerei - von Strohhalmen über Reinigungsprodukte bis zu Softgetränken. Besonders krass sind die Preisdifferenzen bei den Medizinalprodukten: Hier sind Preisunterschiede von bis zu 300 Prozent an der Tagesordnung. Dies geht zulasten unserer Krankenkassenprämien.

Unsere Wirtschaft, unser Handel, unsere Importeure werden doch nicht fit, wenn wir denen die fetten Margen sichern. Fit werden sie, wenn sie sich in einem kompetitiven Umfeld behaupten müssen. Wenn wir sie weiterhin schützen, werden oder bleiben sie fett - das möchten wir doch alle nicht. Als ehemaliger Importeur von Produkten im Bereich Rollatoren, Rollstühle, Inkontinenzartikel und allgemeine medizinische Hilfsmittel erlebte ich es eins zu eins, wie man uns zu behindern versuchte. Unseren Lieferanten wurde mit Boykott gedroht, falls sie uns beliefern, und auch wir wurden aktiv boykottiert.

Und ja, meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, die Initiative geht zu weit. Und ja, auch der Gegenvorschlag der WAK-N geht sehr weit. Aber nun ist einfach genug der Ausreden. Jahrzehntelang haben sich die Konsumentinnen und Konsumenten, die Konsumentenorganisationen und auch[NB]die[NB]Gastronomie und der Handel beklagt, und nichts geschah.

Vielleicht ist das Zustandekommen zumindest des indirekten Gegenvorschlages ein "Lehrblätz" für die Politiker, welche im Dienste der Konzerne jahrzehntelang und nun schon wieder versucht haben, den freien Markt zu behindern. Auch wenn wir Gefahr laufen, ein bisschen zu weit zu gehen: Genug ist genug, wir lassen uns nicht mehr abzocken und behindern. Sagen Sie mit mir Ja, zumindest zum indirekten Gegenvorschlag.

Stoppen wir die Behinderung des freien Handels, stoppen wir die Behinderung und Verhinderung des Wettbewerbs, stoppen wir diesen völlig unfairen Raubzug auf das Portemonnaie unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger - stoppen wir den Schweiz-Zuschlag, der nämlich nicht den Schweizer Arbeitnehmenden, sondern niemand anderem als den raffgierigen Konzernen zugutekommt.