Sommaruga Simonetta · Bundesrat · 2020-06-03
Sommaruga Simonetta · Bundesrat · Bern · 2020-06-03
Wortprotokoll
Die einstimmige Annahme im Nationalrat - auch Ihre UREK stimmt dem zu, und der Bundesrat ist ebenfalls für Annahme - ist sehr erfreulich. Die Bedeutung der Biodiversität und der Artenvielfalt respektive, umgekehrt gesagt, die Dramatik des Insektensterbens ist mittlerweile wirklich ein Thema, das auch in der breiten Bevölkerung angekommen ist. Wie das auch die Motion verlangt, geht es jetzt tatsächlich darum, die Empfehlungen des Expertenberichtes umzusetzen, eine enge Zusammenarbeit mit den Kantonen und die entsprechende Finanzierung sicherzustellen.
Die Hauptursachen des Verschwindens der Insekten, ich kann hier die Akademien der Wissenschaften Schweiz zitieren, sind eigentlich längst bekannt. Es sind die intensive Landnutzung mit ihrem grossen Einsatz von Pestiziden und Düngern, die fehlenden Strukturen in der Landschaft, die Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung und, wie der Kommissionspräsident gesagt hat, auch die Lichtverschmutzung. Die Ursachen sind also wirklich bekannt, und ich glaube, wir haben hier eine grosse, breite Unterstützung, weil wir wissen: 75 Prozent aller Kulturpflanzen sind auf Insekten angewiesen. Die Bestäubung durch Insekten ist auch ein zentrales Thema der Versorgungssicherheit, die langfristig garantiert werden soll. Es geht hier ganz direkt ans Lebendige.
Die Frage, die immer wieder gestellt wird, ist: Was ist genau zu tun? Ich glaube, auch das ist mittlerweile bekannt. Es braucht ausreichend Fläche, und die Fläche muss qualitativ gut sein. Es braucht die Vernetzung der verschiedenen Flächen, denn es genügt eben nicht, irgendwo eine schöne Blumenwiese und dann lange nichts mehr zu haben. Die Vernetzung der verschiedenen Räume ist extrem wichtig.
Ich darf das hier sagen: Ich konnte kürzlich mit Ständerat Stark die Situation im Kanton Thurgau anschauen. Dort wurde gerade für die Landwirtschaft aufgezeigt, dass die Fragen der Ökologie nicht in Widerspruch zu den Fragen der Produktivität stehen, gerade wenn es um die Biodiversität geht, und dass Nützlinge und die Artenvielfalt den ökonomischen Interessen der Landwirte ganz grundsätzlich nicht zuwiderlaufen - im Gegenteil, eigentlich unterstützen sie die langfristige Produktivität. Ich glaube, das ist die Art und Weise, wie man zusammenarbeiten muss.
Ich bin sehr dankbar, wenn diese Motivation eben auch in den Kantonen vorhanden ist und die Kantone solche Initiativen umsetzen - der Kanton Thurgau ist nicht der einzige Kanton, es ist ein Zufall, dass ich kürzlich am internationalen Tag der Biodiversität dort war. Mit der Annahme der Motion bekommen wir zusätzlichen Rückenwind, und den nehmen wir sehr gerne auf.