Hess Hans · Ständerat · 2002-09-16
Hess Hans · Ständerat · Obwalden · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2002-09-16
Wortprotokoll
Gestatten Sie mir, dass ich meine Interessenbindung in dieser Angelegenheit vorab offen lege: Ich bin der Vertreter eines Bergkantons, der den Wald in seinem Namen führt. Im Weiteren bin ich Präsident der Lignum, die sich mit dem Thema Wald und Holz intensiv befasst. Es darf Sie also nicht überraschen, dass ich mich auch für die Verwendung von Holz einsetze. Man mag mir nun entgegenhalten, dass ich hier meinen Einsatz am untauglichen Objekt übe. Hier bin ich aber ganz anderer Meinung.
Wir sprechen diesen Kredit mit Hinblick auf ein Grossereignis, das weit über Europa hinaus Beachtung finden wird, wenn dieser Anlass in der Schweiz und in Österreich durchgeführt werden kann. Es ist also eine Gelegenheit, bei der wir einem entsprechend grossen Kreis unseren Rohstoff Holz in der Anwendung zeigen können. Wir können somit ein Referenzobjekt schaffen, das weltweit Wirkung entfalten wird.
Das ist die eine Seite meines Antrages. Es gibt aber noch andere Gründe, weshalb Sie meinem Antrag bedenkenlos zustimmen können. Gestatten Sie mir, dass ich dieses Referenzobjekt in einen grösseren Zusammenhang stelle: Wir wissen, dass die Schweiz - wie andere Industrieländer - grosse Mengen an Öl und Gas verbraucht und damit CO2 emittiert. Pro Person und Jahr sind es mehr als sechs Tonnen. Kohlendioxid macht 83 Prozent der durch unser Land ausgestossenen Treibhausgase aus. Mit dieser Emission von CO2 verstärken wir die Erwärmung unserer Atmosphäre und gefährden Klima und Umwelt.
Unser Wald hingegen nimmt laufend CO2 auf. Er produziert mit einer Tonne davon mehr als einen Kubikmeter Holz und speichert darin zusätzlich gegen 2800 Kilowattstunden Sonnenenergie. Das ist Energie, mit der uns die lebendige Natur gratis und franko versorgt und die wir zudem guten Gewissens brauchen dürfen. Denn Energieholz jeder Art ist CO2-neutral. Es wird bei der Verbrennung nie mehr Kohlendioxid frei, als ein Baum einmal gebunden hat. Energieholz ersetzt fossile Rohstoffe klimaneutral. Nutzen wir deshalb vermehrt unser Holz, ersetzen wir damit nicht erneuerbare Rohstoffe wie Erdöl und Erdgas. So können fossile Energien eingespart und treibhauswirksame CO2-Emissionen vermieden werden. Das ist verantwortungsvolle Politik.
Im Falle der geplanten WKK-Anlage im Wankdorf würden Jahr für Jahr gegen zwei Millionen Kilogramm Heizöl eingespart, und die CO2-Entlastung betrüge mehr als sechs Millionen Kilogramm pro Jahr.
Im Schweizer Wald wachsen jährlich fast 10 Millionen Kubikmeter Holz nach. In einem Normaljahr ernten wir davon nur rund 5 Millionen Kubikmeter. Wir könnten in unserem Land im Jahr 7,5 Millionen Kubikmeter Holz ernten, und zwar mit positiver Wirkung auf Natur und Artenvielfalt. Unser bewirtschafteter Wald absorbiert bereits heute Jahr für Jahr 10 Prozent der gesamtschweizerischen CO2-Emissionen. Bei einer Nutzung von 7,5 Millionen Kubikmetern wäre dies entsprechend mehr.
Die nachhaltige Nutzung und Verwendung von Holz ist deshalb entschieden zu fördern, sei es als Bau- oder Werkstoff, als Energieträger oder als Rohstoff für die industrielle [PAGE 561] Weiterverarbeitung. Die öffentliche Hand soll, ja muss für eine solche Politik deutliche Zeichen setzen. Das gilt ganz besonders für das städtische Umfeld mit seiner grossen Ausstrahlungskraft. Eine WKK-Anlage im Wankdorfstadion setzt das richtige Zeichen für einen nachhaltigen Sportbetrieb und fördert zudem die Solidarität zwischen Stadt und Land. Wenn der Fussball mit seiner Massenwirksamkeit schon den Städten gehört, soll das Land nicht nur über den Fernsehkonsum, sondern auch als Produzent seinen Teil daran haben: durch die Chance, den nachwachsenden Rohstoff Holz für die in den Städten benötigte Energie zu liefern.
Nochmals: Setzen wir hier und jetzt ein Zeichen! Holzverwendung spart fossile Rohstoffe und schont die Umwelt.