Schneider Meret · Nationalrat · 2020-09-08
Schneider Meret · Nationalrat · Zürich · 2020-09-08
Wortprotokoll
Das weite Feld von Bildung, Forschung und Innovation und die Politik, die dafür die Rahmenbedingungen definiert, werfen eine Reihe grundlegender Fragen auf, die direkt mit den gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen unserer Gesellschaft, unserer Wirtschaft und unserer Beziehung zur Umwelt zusammenhängen. Diese drei wichtigen Bereiche, die gerade für die Schweiz zu den wichtigsten Ressourcen des Landes gehören, sind wegweisend für die Zukunft unseres Landes. Die Weichen, die wir nun stellen, bestimmen massgebend, wie sich die Schweiz in Zukunft international im Bereich Forschung, Bildung und Innovation positionieren kann und inwiefern diese Ressourcen optimal genutzt und ausgeschöpft werden können.
Die Rahmenbedingungen und Ressourcen für diese Bereiche müssen entsprechend gut reflektiert, langfristig gedacht und mit dem Bewusstsein für die grosse Verantwortung gesetzt werden. Dabei stellen sich weitreichende Fragen. Sind Ausbildungs-, Forschungs- und Innovationsziele an sich Meilensteine, die es zu erreichen gilt, oder stellen sie nur die Mittel dar, um umfassendere gesellschaftliche Ziele zu erreichen, die sich aus unserer Vision einer idealen Zukunftsgesellschaft speisen? Was ist beispielsweise der gesellschaftliche Wert der Bildung an sich? Handelt es sich nur um den Erwerb von Wissen und technischen Fertigkeiten für eine zukünftige Beschäftigung und den Eintritt in den Arbeitsmarkt? Oder auch um die Aneignung von Werten und Denksystemen für die Integration des Einzelnen in die Gemeinschaft? Um die Vermittlung des Bewusstseins für die Funktionsweise und damit einhergehende Verhaltenskodizes unseres demokratischen Systems?
Was die Betonung der Digitalisierung in der gesamten Botschaft anbelangt, anerkennen wir Grünen selbstverständlich ihre Notwendigkeit und auch die Chancen, die sie bietet. Doch ist es uns wichtig zu betonen, dass im Vorfeld intensive Überlegungen auf der Grundlage einer Nutzen-Risiko-Analyse für unsere Gesellschaft und Umwelt angestellt werden müssen. Dadurch, dass die aktuelle Krise zu einer Beschleunigung der Digitalisierung in Verbindung mit Telearbeit, Homeoffice, Homeschooling geführt hat, erhielten wir bereits einen Vorgeschmack auf die Schwierigkeiten, Grenzen und Vor- und Nachteile und auch auf die Herausforderungen von Lebensstilen, die direkt auf den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien basieren.
Was sind die spezifischen Herausforderungen der digitalen Ausbildung? Weltweit stellen wir angesichts der Herausforderungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung eine erhebliche Diskrepanz fest zwischen dem, was gefordert wird, und dem, was tatsächlich gewährt wird, um es zu erreichen. Dies gilt es zu berücksichtigen, um die digitale Kluft zwischen der älteren und der jüngeren Bevölkerung und die damit einhergehende Chancenungleichheit zu überwinden.
Bei dieser Botschaft bemängeln wir ein Ungleichgewicht zwischen der Betonung der Chancen und des Stellenwerts der Digitalisierung einerseits und den ebenso vorhandenen Herausforderungen für die Gesellschaft und für eine nachhaltige Zukunft andererseits. In der Tat hätten wir uns eine gleichwertige Betonung der Nachhaltigkeitsziele gewünscht, die aufgrund der klimatischen und ökologischen Dringlichkeit angebracht wären. Unserer Ansicht nach sollte z. B. im Bereich Forschung und Innovation der Förderung der Entwicklung neuer Technologien wie der Nanotechnologie die klar definierte Absicht vorausgehen, unseren ökologischen und klimatischen Fussabdruck zu verringern. Wir würden es auch begrüssen, wenn das Vorsorgeprinzip in der BFI-Botschaft deutlicher zum Ausdruck käme.
Vor dem Hintergrund dieser grundsätzlichen Überlegungen begrüsst unsere Fraktion generell die BFI-Botschaft. Insbesondere gibt es positive Entwicklungen bei den vom Bund für diesen Bereich bereitgestellten Mitteln. Angesichts der Entwicklung unserer Gesellschaft und der Folgen von Covid befürchten wir jedoch, dass die Unterstützung für die Fort- und Weiterbildung sowie für die Finanzierung der Studienstipendien nicht ausreichen wird.
In den kommenden Jahren werden wir Zeugen einer radikalen Veränderung der Berufswelt durch die Entwicklung von künstlicher Intelligenz und Robotik und durch deren Einfluss auf den Arbeitsmarkt werden. In diesem Zusammenhang müssen Aus- und Weiterbildung, Forschung und neue Technologien unseres Erachtens das Ziel verfolgen, einerseits allen die Fähigkeiten und Ressourcen zu vermitteln, die erforderlich sind, um die Berufe auszuüben, die die Digitalisierung schafft. Andererseits müssen sie aber auch die Fähigkeiten vermitteln, mit denen wir als Gesellschaft in der Lage sind, die Energiewende zu vollziehen und unseren ökologischen Fussabdruck zu verringern. Dies ist definitiv nicht der Zeitpunkt, um Einsparungen bei der Ausbildung, unserem wertvollsten Gut, vorzunehmen, hängt doch der Wohlstand unseres Landes in hohem Masse von unserem Wissen und unserem Forschungsstandort ab. Last, but not least sind wir der Ansicht, dass den Universitäten eine besondere Rolle zukommt, wenn es darum geht, sowohl neue Technologien als auch Ausbildungsprogramme auf Nachhaltigkeit auszurichten.