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Bertschy Kathrin · Nationalrat · 2020-09-14

Bertschy Kathrin · Nationalrat · Bern · Grünliberale Fraktion · 2020-09-14

Wortprotokoll

Die Gleichstellung von Frau und Mann ist seit 39 Jahren ein nicht realisierter Verfassungsgrundsatz. Im internationalen Vergleich wird der Schweiz regelmässig ein schlechtes Zeugnis ausgestellt, was den Stand der Gleichstellung und der Chancengleichheit anbelangt. Fortschritte in der Gleichstellung sind aber nicht nur aus Gerechtigkeitsgründen, sondern auch aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit und der Standortattraktivität unabdingbar. Unser Land kann es sich schlicht nicht mehr leisten, weiterhin auf gut ausgebildetes Potenzial am Arbeitsmarkt und auf die dementsprechende Wirtschaftsleistung zu verzichten, weil mutmasslich Wertvorstellungen, unbewusste Vorurteile oder das Festhalten an konservativen Rollenbildern in der politischen Abwägung obsiegen.

Wir sind so den Herausforderungen - demografische Entwicklung, soziale Sicherung usw. - nicht gewachsen und bleiben unter unserem Potenzial. Am 14. Juni 2019 haben eine halbe Million Menschen ihren Unmut über die nach wie vor vorherrschenden patriarchalen Machtstrukturen kundgetan. Die Bevölkerung erwartet in dieser Legislatur von Bundesrat und Parlament signifikante Fortschritte im Bereich der Gleichstellung. Es ist nicht ausreichend, gerade einmal eine Strategie vorzulegen.

Die grünliberale Fraktion unterstützt bei diesem Block darum erstens die Verabschiedung der Botschaft zur Erleichterung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unter Einbezug der Kantone. Warum? Das kann man in der BAK-Studie nachlesen, die heute veröffentlicht wurde: Es ist eine Investition, die sich mittel- und langfristig auszahlt, und zwar nicht nur für die Gleichstellung, sondern auch für die Volkswirtschaft.

Zweitens unterstützen wir die Verabschiedung einer Botschaft zur Einführung einer Elternzeit. Die Forschung zeigt, dass die einseitige heutige Regelung eine der Hauptursachen für die anhaltende Benachteiligung der Frauen - und zwar sämtlicher Frauen, nicht nur der Mütter - im Erwerbsleben ist, weil sie alleine das Risiko tragen, am Arbeitsplatz auszufallen. Da jede Frau zur Gruppe gehört, die potenziell Mutter werden und ausfallen kann, erfolgt hier eine unbewusste, unabsichtliche Benachteiligung, welche zu geringeren Karrierechancen und Löhnen führt. Das ist eine Schlüsselstelle für die Gleichstellung. Man kann den Pelz nicht waschen, ohne ihn nass zu machen. Gleichstellung lässt sich nicht realisieren, ohne die Erwerbsausfälle bei Elternschaft auf beide Elternteile zu verteilen.

Zu den übrigen Artikeln werden wir uns via Abstimmungsverhalten äussern.