Masshardt Nadine · Nationalrat · 2020-09-16
Masshardt Nadine · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2020-09-16
Wortprotokoll
Die vorliegende parlamentarische Initiative wurde von Ratsmitgliedern aus fast allen Fraktionen mitunterzeichnet und ist damit also äusserst breit abgestützt. Was fordert sie? Arbeitnehmende sollen nach der Geburt eines Kindes ihr Pensum maximal um 20 Prozent reduzieren dürfen, wobei das Arbeitspensum nicht unter 60 Prozent fallen darf. Der Anspruch muss innert zwölf Monaten geltend gemacht werden und ist zeitlich unbefristet. Zudem gibt es keinen Anspruch, das Pensum später wieder zu erhöhen.
Exakt diese Regelung gilt bereits für das Bundespersonal sowie auch in kantonalen und kommunalen Verwaltungen. Die Erfahrungen in der Bundesverwaltung sind positiv, und vom Recht wird Gebrauch gemacht. Das ist also eine sehr konkrete Massnahme, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Ein besserer Einbezug der Frauen in die Arbeitswelt gelingt nur, wenn sich auch die Väter stärker in der Familienarbeit engagieren. Damit dies Realität werden kann, muss die Teilzeitarbeit von Vätern jedoch gesellschaftlich akzeptiert sein. Die Meinung, dass mehr Teilzeitstellen für Väter die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern, teilt nicht zuletzt auch der Bundesrat. Deshalb sprach er sich im Rahmen seines Berichtes zur Familienpolitik von 2015 für exakt diese Forderung der parlamentarischen Initiative aus.
Sie fragen sich vielleicht, ob Männer denn überhaupt stärker in den Familienalltag eingebunden werden möchten. Eine repräsentative Umfrage von Pro Familia im Auftrag des Kantons St. Gallen ergab, dass neun von zehn Männern gerne [PAGE 1594] Teilzeit arbeiten würden. In der Realität arbeiteten 2015 gemäss Bundesamt für Statistik aber weniger als zwei von zehn Männern Teilzeit. Wenn es mehr Teilzeitstellen für Väter gibt, wirkt sich das sowohl auf die Familien und die Gesellschaft insgesamt als auch auf die Unternehmen positiv aus. Teilzeitkräfte sind motivierter, effizienter und fehlen weniger am Arbeitsplatz.
Und nun die Frage aller Fragen: Weshalb arbeiten denn nicht mehr Männer Teilzeit? Erstens, weil diesem Wunsch vonseiten der Vorgesetzten oft nicht entsprochen wird. Zweitens, weil sich viele Väter gar nicht getrauen, nach einer Reduktion zu fragen. Einerseits haben sie im Unternehmen oder in der Abteilung keine Vorbilder und gehört es bisher nicht zur Unternehmenskultur, andererseits befürchten sie massive finanzielle Einbussen. Drittens befürchten Jungväter, dass eine Reduktion mit den Karriereplänen nicht vereinbar sei.
Genau hier setzt die parlamentarische Initiative an: Nach der Schaffung eines Anspruchs kann kein Vater seinen Vollzeitjob mehr damit begründen, dass sein Arbeitgeber eben keine Pensenreduktion zulasse. Und sobald es Arbeitskollegen gibt, die reduzieren, steigt die Chance, dass sich die Kultur ändert und Teilzeitstellen für Väter breiter akzeptiert werden.
Verschiedene andere Formen von Abwesenheiten am Arbeitsplatz sind bereits heute gang und gäbe, etwa politische und soziale Engagements von Arbeitnehmenden und in den Chefetagen Verwaltungsratsmandate, Engagements im Militär oder als Fachlehrkraft an einer Fachhochschule. Warum sollte dies also nicht auch für die Familienarbeit möglich sein?
Ich bitte Sie um Unterstützung dieser parlamentarischen Initiative.