Wettstein Felix · Nationalrat · 2021-03-03
Wettstein Felix · Nationalrat · Solothurn · Grüne Fraktion · 2021-03-03
Wortprotokoll
Die Finanzkommission beantragt Ihnen mit dieser Kommissionsmotion die Schaffung einer besseren statistischen Datengrundlage im Bereich der Gesundheits-, der Behinderungs- und der Sterblichkeitsdaten. Das zentrale Anliegen dieser Motion ist es, dass wir besser Bescheid wissen über den Zusammenhang zwischen der sozialen Lage und der Wahrscheinlichkeit, dass jemand schwer erkrankt, zu einem IV-Fall wird oder frühzeitig stirbt.
Wenn wir von der sozialen Lage sprechen, dann meinen wir hauptsächlich die Unterschiede beim höchsten Bildungsabschluss, beim Einkommen und bei der beruflichen Stellung. Grundsätzlich ist der Zusammenhang bekannt und weltweit unbestritten: Menschen mit geringerer Ausbildung, mit tiefen Löhnen und in prekärer Beschäftigungslage haben ein deutlich höheres Risiko, an einer chronischen Krankheit zu erkranken, oft sogar an mehreren Krankheiten. Deutlich erhöht ist ihr Risiko, von Invalidität betroffen zu sein, und ihre Lebenserwartung ist deutlich tiefer als jene der Durchschnittsbevölkerung.
Allerdings ist die Datenlage dazu in der Schweiz oft dürftig. Wir haben in der Kommission festgestellt, dass andere Staaten im Vergleich zu uns eine bessere Datenbasis haben. Wir haben zwar Statistiken zu übertragbaren Krankheiten, wir haben die Todesursachenstatistik, aufgeschlüsselt nach 5-Jahres-Altersgruppen, nach Geschlecht, Wohnkanton und Kalenderwoche. Auch die potenziell verlorenen Lebensjahre je nach Todesursache werden vom Bundesamt für Statistik regelmässig berechnet und publiziert. Wichtig wäre es jedoch, mehr darüber zu wissen, wie sich die einzelnen Erkrankungsrisiken und Todesursachen entlang der Zugehörigkeit zur sozialen Schicht verteilen. Dieses Wissen ist Bedingung sowohl für zielgerichtete Behandlungen als auch für eine erfolgreiche Prävention.
Wir haben in der Kommission zum Beispiel auf die aktuelle Nationale Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD-Strategie) verwiesen. Zu ihren zentralen Zielen gehört es, die gesundheitliche Chancengleichheit zu verbessern respektive Ungleichheiten als Folge der sozialen Zugehörigkeit zu verkleinern. Auch für die anstehenden Revisionen der Sozialversicherungen AHV und BVG ist es wichtig, eine bessere Datenbasis zum Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Lebenserwartung respektive Krankheits- und Invaliditätsrisiken zu bekommen.
Die Kommissionsmotion will den Anstoss dazu geben, dass ein entsprechendes Monitoring aufgebaut und anschliessend regelmässig fortgeführt wird. Eine Minderheit der Kommission empfiehlt diese Motion allerdings nicht zur Annahme.