de Courten Thomas · Nationalrat · 2021-03-10
de Courten Thomas · Nationalrat · Basel-Landschaft · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2021-03-10
Wortprotokoll
Die Volksinitiative für ein generelles Tierversuchsverbot würde die Forschung und Entwicklung im Bereich Arzneimittel in der Schweiz faktisch verunmöglichen. Die Herausforderungen der aktuellen Pandemie führen uns vor Augen, wie desaströs sich diese radikale Forderung der Initianten auswirken könnte.
In den schweizerischen Forschungslabors wird in keinem Experiment leichtfertig ein Tierversuch angestellt. Sämtliche Forschungsansätze müssen vom Veterinäramt und der zuständigen Kommission des Kantons bewilligt werden. Dabei muss jede Wissenschafterin und jeder Wissenschafter sorgfältig darlegen, ob der erwartete Erkenntnisgewinn ein Experiment am lebenden Geschöpf rechtfertigt oder nicht.
Die Tierschutzbestimmungen unseres Landes gehören zu den strengsten der Welt. Diese hohen Standards sind wichtig und auch richtig, und dafür werden die Forschenden an den Universitäten und Institutionen auch speziell geschult. Damit bekennen wir uns zu vorbildlicher Tierhaltung und sorgfältiger Versuchsplanung, die von unabhängigen Stellen evaluiert werden. Meine Erfahrung ist, dass unsere Universitäten und die Forschungsinstitutionen der Wirtschaft, die mit Tieren arbeiten - ich konnte verschiedene solche Firmen besuchen, auch in meiner Region -, ihre Aufgabe mit Umsicht und verantwortungsbewusst wahrnehmen und dabei von Expertinnen und Experten professionell unterstützt werden.
Die Initianten, die ein Verbot von Tierversuchen fordern, stellen in Abrede, dass solche Versuche einen Nutzen bringen, und sie behaupten, dass Tierversuche den Fortschritt sogar behindern würden; damit ignorieren sie die vielen Erfolge in der Medikamentenentwicklung. Letztere sind möglich, weil Menschen und verschiedene Tierarten sich eben doch ziemlich ähnlich sind. Deshalb ist es wichtig, zu verstehen, dass Versuche mit Tieren oft den Boden für Studien am Menschen bereiten oder diese sogar ersetzen.
Von den Errungenschaften in der Medikamentenentwicklung profitieren in der Schweiz alle. Insulin und Antibiotika wären ohne Laborversuche an Tieren nie entdeckt, diverse Krebsmedikamente nie entwickelt worden. Es gibt ungezählte weitere Medikamente, ohne die eine Heilung zahlreicher Krankheiten heute nicht möglich wäre.
Die heute diskutierte Volksinitiative verlangt ein generelles Verbot. Für den Forschungsplatz Schweiz wäre dies eine Katastrophe. Es würde die weltweit anerkannte biomedizinische Forschung in der Schweiz unmöglich machen. Unser Land würde Forschungs-Know-how verlieren, nicht mehr zur Innovation und zu neuen Medikamenten beitragen können und müsste mit der Abwanderung hochqualifizierter Forschender rechnen.
Das vorstehend Gesagte kann mit vielen wissenschaftlichen Resultaten belegt werden. Es ist deshalb klar: Sorgfältig geplante und evaluierte Tierversuche werden weiterhin notwendig sein, um Menschenleben zu retten und Leiden zu verringern. Aus diesem Grund hätte eine Annahme dieser Initiative äusserst negative Folgen für die Innovation im Gesundheitswesen sowie weitreichende ökonomische Konsequenzen, die sich zum heutigen Zeitpunkt kaum abschätzen lassen.