Feri Yvonne · Nationalrat · 2021-03-17
Feri Yvonne · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-03-17
Wortprotokoll
Während sich alle Diskussionen um Gesundheitsreformen, übergewichtige Kinder und explodierende Gesundheitskosten drehen, bleibt das Rauchen von Zigaretten die häufigste Ursache von vermeidbaren Todesfällen und Behinderungen. Das müssen wir ändern, und deshalb müssen wir die Einstiegshürden für den Tabakkonsum von Kindern und Jugendlichen erhöhen.
57 Prozent der Rauchenden beginnen als Minderjährige mit dem Tabakkonsum. Wenn Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 18 Jahren nicht mit dem Rauchen beginnen, werden sie mit grosser Wahrscheinlichkeit ihr Leben lang Nichtraucherinnen und Nichtraucher bleiben. Umso wichtiger ist es, gerade Kinder und Jugendliche vor Werbung zu schützen, die sie dazu animiert, schädliche und abhängig machende nikotinhaltige Produkte zu konsumieren.
Die Gegnerinnen und Gegner der Initiative argumentieren an dieser Stelle gerne mit der freien Wirtschaft, mit dem Umsatzausfall bei Veranstaltern und bei der Werbebranche. Ja, das ist schlimm für die betroffenen Branchen. Besser wäre es, wir hätten schon immer darauf verzichtet und müssten jetzt nicht korrigieren. Aber der Tabakkonsum verursacht in der Schweiz jährlich soziale Kosten von 4 bis 5 Milliarden Franken wegen Produktionsausfällen infolge Krankheit, Arbeitslosigkeit, Invalidität und vorzeitiger Todesfälle. Das ist ein x-Faches der Summe, die der Werbewirtschaft und den Veranstaltern durch konsequentere Werberichtlinien entgehen würde.
Was wollen wir nun: eine gesunde Bevölkerung oder eine gesunde Werbebranche? Das ist eine Frage, die während der Pandemiezeit leicht ironisch daherkommt. Aber die Pandemie geht vorbei, und wir werden wieder vermehrt unterwegs sein, einkaufen, Kultur geniessen können und somit wieder mit Werbung in Kontakt kommen. In diesem Sinne legt die Minderheit den Fokus klar auf die gesunde Bevölkerung.
Ist es nicht auch unsinnig, wenn wir einerseits unseren Kindern in der Kinderrechtskonvention das Recht auf das höchstmögliche erreichbare Mass an Gesundheit zugestehen, andererseits aber nichts gegen die Tabakwerbung unternehmen, welche die Kinder und Jugendlichen zum Tabakkonsum verführen kann? Es gibt neue Studien über die Verleitung von Jugendlichen zu schädlichem Tabakkonsum und über die gesundheitsgefährdende Wirkung von E-Zigaretten, die von der Werbung als "gesunde Alternative" gepriesen werden. In den USA sind bereits mehrere Todesopfer zu[NB]beklagen. Die grossen Gesundheitsorganisationen der Schweiz sind sich deshalb einig: Werbung für Tabakprodukte und E-Zigaretten darf Jugendliche nicht zum Rauchen verleiten. Jede Stunde stirbt in der Schweiz mindestens eine Person an den Folgen des Rauchens. Das sind jährlich 9500 Personen.
Gerade Kinder und Jugendliche sind vulnerabel und besonders empfänglich für die in der Werbung vermittelten Elemente wie Traumwelten, Coolness, Erfolg und Sex-Appeal. Deshalb darf Werbung für Tabakprodukte und E-Zigaretten Kinder und Jugendliche unter keinen Umständen erreichen. Das Initiativkomitee möchte eine gesunde Entwicklung der Kinder und Jugendlichen fördern und damit die Selbst- und Eigenverantwortung stärken. Es ist nicht falsch, auf die Verantwortung der Eltern hinzuweisen. Die Eltern können ihren Kindern im besten Fall einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Gesundheit vorleben. Aber es ist etwas scheinheilig, auf die Verantwortung der Eltern hinzuweisen und gleichzeitig Tabakwerbung zuzulassen, die sich auch an Jugendliche richtet. Denn während die Eltern über Gefahren informieren, verspricht die Werbung Abenteuer und grosse Gefühle. [PAGE 543]
Noch kurz zum erwähnten Tabakproduktegesetz: Auch der Minderheit ist bewusst, dass es Schritte in die richtige Richtung beinhaltet, diese genügen aber nicht. Daher sagen wir klar Ja zur Initiative, die das Ziel einer gesünderen Bevölkerung hat und somit die grösste Sparmassnahme für das Gesundheitswesen darstellt. Sie ist grösser, als wir es jemals mit Gesetzesrevisionen erreichen würden.
Ich bitte Sie, der Minderheit zu folgen.