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Gysi Barbara · Nationalrat · 2021-03-17

Gysi Barbara · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-03-17

Wortprotokoll

Die Volksinitiative "Ja zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Tabakwerbung" fordert ein Verbot von Werbung, die Kinder und Jugendliche erreicht. Es geht hier um ein wichtiges Anliegen der Gesundheitsprävention. Ich muss wohl niemandem mehr sagen, dass Rauchen schlecht für die Gesundheit ist. Rauchen schädigt nicht nur die Lunge, sondern verursacht COPD. Rauchen erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt. Raucherinnen und Raucher haben ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken, und zwar nicht nur an Lungenkrebs, sondern[NB]auch[NB]an[NB]Mundhöhlen-, Kehlkopf-, Speiseröhren-, Bauchspeicheldrüsen-, Harnblasen-, Darm- und Gebärmutterhalskrebs. Jedes Jahr sterben in der Schweiz 9500 Menschen an den Folgen des Rauchens. Tabakkonsum verursacht also nicht nur sehr viel menschliches Leid, Tabakkonsum verursacht jährlich soziale Kosten von 4 Milliarden Franken wegen Produktionsausfällen aufgrund von Krankheit, Arbeitslosigkeit, Invalidität und frühzeitigen Todesfällen.

Die Volksinitiative "Kinder und Jugendliche ohne Tabakwerbung" setzt am richtigen Ort an. Sie will dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche nicht mit perfide eingesetzten Werbemassnahmen zum Rauchen animiert werden. Denn das geschieht sehr gezielt: Die Tabakkonzerne treten an Open-Air-Konzerten und Partys als Sponsoren auf, wo sie oft sogar mit Sonderangeboten zum Konsum ihrer Produkte aufrufen. Neue Produkte wie E-Zigaretten, Snus oder Schnupftabak werden als sogenannt gesündere Alternativen angepriesen, dabei sind sie genauso schädlich, denn sie machen genauso abhängig von Nikotin wie Rauchen. Davon wieder loszukommen, ist schwer, das kann Ihnen jede Raucherin und jeder Raucher bestätigen.

Es ist darum wichtig, dass wir verhindern, dass Kinder und Jugendliche überhaupt erst mit dem Rauchen anfangen. Das Verbot von Tabakwerbung, die Kinder und Jugendliche erreicht, ist damit eine Massnahme, mit der dieses Ziel erreicht werden kann.

57 Prozent der Raucherinnen und Raucher haben schon als Minderjährige mit dem Rauchen angefangen. Anlass zu Sorge gibt ausserdem, dass der Anteil der jungen Raucherinnen und Raucher zunimmt: Für das letzte Jahr geben schon 6,6 Prozent der 15-Jährigen an, dass sie im vergangenen Monat geraucht hätten. Das sind fast doppelt so viele wie im Jahr 2019.

Leider bleibt es oft nicht bei der gelegentlichen "Zigi" im Ausgang. War es in meiner Jugend der Cowboy, der über die Prärie geritten ist, so sind es heute coole junge Menschen, die irgendeine hippe E-Zigarette in der Hand halten. Diese Bilder von Lifestyle, von Lebensgefühl vermitteln und suggerieren, dass Rauchen oder Dampfen eine coole Sache sei - und sie erwischen die Jugendlichen damit in einer Phase des Lebens, in der sie dafür besonders empfänglich sind.

Die Tabakkonzerne verdienen ihr Geld mit Produkten, die die Gesundheit nachweislich massiv schädigen. Die Kosten dafür bezahlen wir mit unseren Krankenkassenbeiträgen. Ich finde es störend, dass ausgerechnet die Vertreterinnen und Vertreter jener Parteien gegen das Verbot von Tabakwerbung sind, die in anderen gesundheitspolitischen Debatten laut "Kostenexplosion" schreien und den Teufel der steigenden Krankenkassenprämien an die Wand malen. Mit dieser inkonsequenten Haltung verhindern Sie eine wirksame Prävention von Gesundheitsschäden durch Tabakkonsum und tragen zu höheren Gesundheitskosten bei. Sie lassen zu, dass die Tabakkonzerne Gewinne machen, für die letztlich die Prämienzahlerinnen und Prämienzahler bezahlen. Das ist schlicht und einfach zynisch.

Die Schweiz hat im Vergleich zu anderen Ländern eine extrem lasche Gesetzgebung, was Tabakprodukte betrifft. In Frankreich und anderen Ländern gilt für Tabakprodukte eine Einheitsverpackung. In Australien gelang es dank rigider Gesetze, den Anteil der Raucherinnen und Raucher von 24 Prozent im Jahre 1991 auf heute 11 Prozent zu senken.

Leider haben wir es im Tabakproduktegesetz bisher verpasst, die Tabakwerbung für Jugendliche und Kinder umfassend einzuschränken. Darum braucht es die Initiative "Kinder und Jugendliche ohne Tabakwerbung". Ich danke Ihnen für die Unterstützung dieser Initiative.