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Flach Beat · Nationalrat · 2021-05-05

Flach Beat · Nationalrat · Aargau · Grünliberale Fraktion · 2021-05-05

Wortprotokoll

"Ich schänke dir mis Härz, meh han i nid", so ähnlich singen es Züri West in einem sehr schönen, romantischen Lied. Das ist aber letztlich vielleicht auch das, was wir uns am Ende unseres Lebens überlegen müssen: Was bleibt?

Politik hat immer einmal wieder auch sehr sensible Themen zu behandeln. Wir haben diese Woche über das Versicherungsaufsichtsgesetz debattiert. Wir haben jetzt eine Vorlage auf dem Tisch liegen, die nicht politisch so gewichtet wird wie üblich und uns nicht in ein linkes und ein rechtes Lager aufteilt, sondern bei der es um ethische Fragen geht. Bei dieser Thematik haben wir Fragen zu stellen und zu beantworten wie vielleicht die nach dem eigenen Sein, nach dem Sinn und nach dem Ende des eigenen Lebens. Es sind Fragen nach der Rolle des Staates in diesem Zusammenhang und der Fürsorge für andere - von uns selber, aber auch vom Staat. Es sind Fragen nach der Rolle der Hinterbliebenen und danach, was sie tun sollen und wo wir sie unterstützen können in diesen schweren Stunden, wenn es darum geht zu entscheiden, ob bei einem Verstorbenen Organe entnommen werden können. Es geht dort auch um die Frage nach der Fürsorge für Angehörige von Personen, die in unserem Land seit Jahren auf ein Organ warten.

Die heutige Situation ist unbefriedigend. Die Zustimmungslösung entspricht ziemlich sicher nicht mehr dem Willen der Mehrheit der Bevölkerung. Mit der Zustimmungslösung und der Datenbank, in welcher man sich aktiv eintragen lassen kann, wenn man seine Organe spenden will, haben wir im Moment eine Lösung, die von einem Grossteil der Bevölkerung nicht wahrgenommen wird. Es stellt sich nun die Frage, ob sie nicht wahrgenommen wird, weil man keine Organe spenden will, weil man sich darüber keine Gedanken macht oder weil man vielleicht denkt: "Das kann mir ja sowieso nicht passieren, weil ich noch jung und frisch und gesund bin - was soll das also?" Dann braucht es halt vielleicht eine Situation, die einem wieder in Erinnerung ruft, dass es eben auch anders kommen kann.

Es ist häufig so, dass im Bekannten-, Freundes- und selbst im engsten Familienkreis nicht darüber gesprochen wird, was in dieser Situation passieren soll. Man kennt dann zwar vielleicht das Lieblingsessen, die Lieblingsbeschäftigung und die Lieblingsfussballmannschaft des Verstorbenen, man weiss aber nichts darüber, ob er im Falle seines Ablebens auch seine Organe spenden möchte.

Die Initiative nimmt hier, glaube ich, etwas Wichtiges auf. Es ist eine proaktive Lösung, die hier angestrebt wird. Mit dieser Widerspruchslösung muss man sich Gedanken machen, wenn man die Organspende nicht will. Die Angehörigen werden mit dem Gegenvorschlag, wie ihn die Kommission erarbeitet hat, mit einbezogen. Damit lässt sich eine Lösung finden, die in meinen Augen wahrscheinlich für den grössten Teil der Bevölkerung stimmt - und wenn es nicht stimmt, dann hat man immer noch die Möglichkeit zu sagen, dass man das nicht will.

Der Vorteil dabei ist auch, dass man seine Meinung auch im letzten Moment noch ändern kann. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum es so wenig Organspendeausweise gibt. Denn die Menschen haben sich noch gar nicht überlegt, ob sie die Organspende wollen und was passiert, wenn sie sie dann doch nicht wollen. Denn letztlich ist es, glaube ich, einfach so, dass wir dem Willen der Verstorbenen Rechnung tragen müssen, wenn sie überhaupt einen Willen in dieser Frage haben. Darum stimmt es auch nicht, dass man, wie gesagt wurde, dringend eine Volksabstimmung machen sollte, damit die Menschen über diesen individuellen Schritt entscheiden können. Die Volksabstimmung über die Frage einer Zustimmungs- oder Widerspruchslösung beinhaltet keine individuelle Entscheidung darüber, ob man die Organe entnehmen darf oder nicht.

Ich habe eine Patientenverfügung gemacht, mich darf man brauchen. Der Rest meines Körpers soll verwendet werden. Ich will damit vielleicht anderen helfen. Ich schenke gerne jemandem, der es dringend braucht, mein Herz. Wenn ich tot bin, ist meine Persönlichkeit erloschen, und ich brauche es nicht mehr.