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Grüter Franz · Nationalrat · 2021-05-05

Grüter Franz · Nationalrat · Luzern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2021-05-05

Wortprotokoll

Ich möchte zuerst meine Interessenbindungen deklarieren: Ich habe eine Tochter, die morgen 25 Jahre alt wird und sechs Herzoperationen hinter sich hat. Noch schlägt ihr Herz, noch ist sie nicht auf ein Spenderorgan angewiesen. Aber laut den Prognosen, so wie wir sie erhalten haben, wird es leider so sein, dass wahrscheinlich der Tag kommen wird, an dem sie ein Spenderherz brauchen wird. Meine zweite Interessenbindung ist die, dass ich selber seit Jahren als Spender gemeldet bin, ebenso meine ganze Familie.

Genau deswegen spreche ich natürlich auch mit vielen Menschen, mit Leuten, die sich mit diesen Fragen auseinandersetzen. Interessant ist, dass mir sehr viele Leute sagen, mit dieser Frage hätten sie sich noch nie beschäftigt, aber eigentlich sei das kein Problem; wenn sie gestorben seien, könne man ihre Organe nutzen. Wenn ich dann frage, weshalb sie denn keinen Spenderausweis hätten, sagen die genau gleichen Leuten, sie beschäftigten sich einfach nicht damit, es interessiere sie auch nicht gross. Wenn sie gestorben seien, sollen dann ihre nächsten Verwandten darüber entscheiden. Sie delegieren eigentlich die Verantwortung an jemand anderen.

Während wir heute hier sprechen, warten rund 1500 Patienten, Menschen, hier in der Schweiz auf ein Organ. Das sind alles einzelne Schicksale. Das sind Leute - Patienten, aber auch Angehörige -, die in einer riesigen Verzweiflung sind. Tatsache ist eben auch: Heute kommen, wenn wir von Herzen sprechen, vier von fünf Spenderherzen, die in der Schweiz benötigt werden, aus dem Ausland. Wir[NB]haben[NB]in[NB]der[NB]Schweiz tatsächlich eine der tiefsten Spenderaten.

Roger Köppel, Sie haben recht: Die Aufklärungskampagnen finde ich tatsächlich gut. Aber ich muss auch Jon Pult recht geben: Die Aufklärungskampagnen haben in den letzten zehn Jahren leider nicht das gebracht, was sie hätten bringen sollen. So bin ich zur Überzeugung gekommen, dass es selbstverständlich möglich sein muss, dass jeder über seinen Körper frei entscheiden kann. Die Unversehrtheit muss gewährleistet sein. Da sind wir auf der gleichen Linie. Aber ich glaube, es ist keine Zumutung, wenn mündige Bürger sagen müssen, dass sie das nicht wollen. Dann ist das auch zu akzeptieren. Da habe ich volles Verständnis dafür. Ich glaube aber, dass es von Interesse ist, Leben retten zu können, wenn wir einen Weg finden, so wie er im indirekten Gegenvorschlag vorgesehen ist. [PAGE 858]

Lukas Reimann hat vorhin erwähnt, es gebe in der Bundesverfassung seit rund hundert Jahren die Möglichkeit einer sogenannten stillschweigenden Zustimmung. Das gilt dann quasi als Vertrag, ist also durchaus auch verfassungskonform.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir diesen Weg einschlagen sollten, und unterstütze deshalb in erster Linie den indirekten Gegenvorschlag. Sollte der nicht durchkommen, würde ich der Initiative zustimmen. Ich bitte Sie, dies ebenfalls zu tun.