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Munz Martina · Nationalrat · 2021-06-01

Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-06-01

Wortprotokoll

Die ETH soll sich zum weltweit führenden Nachhaltigkeitsnetzwerk mit Best Practice entwickeln, und dies bezüglich Forschung und Lehre, aber auch bezüglich des operativen Betriebs.

Wer könnte besser eine weltweit führende Rolle in diesem Bereich übernehmen als die ETH? Jeder Campus der ETH funktioniert fast wie ein in sich geschlossenes Universum. Der Campus Hönggerberg beispielsweise hat die Grösse einer kleinen Stadt und würde sich als Arena für die Umsetzung von innovativen, praxisorientierten Nachhaltigkeitslösungen bezüglich Wohnen, Arbeiten, Verpflegen und Beschaffen bestens eignen.

Die ETH Zürich, die EPF Lausanne und die vier Forschungsanstalten Eawag, WSL, Empa und PSI bilden bereits ein eng kooperierendes Netzwerk mit gemeinsamen Kompetenzzentren in den Gebieten Umwelt und Nachhaltigkeit, Energie und Mobilität, Materialwissenschaft und Technologie. Dieses Netzwerk kann bezüglich Nachhaltigkeit besser genutzt werden. Ich bestreite nicht, dass die ETH bereits heute gut unterwegs ist. Das ist aber nicht genug. Für ein international herausragendes Netzwerk mit Best-Practice-Anwendungen bedarf es mehr und vor allem koordinierter Anstrengungen.

In der Stellungnahme zu meiner Motion schreibt der Bundesrat: "Im Rahmen des vom Bundesrat am 3. Juli 2019 beschlossenen Klimapakets Bundesverwaltung wird auch der ETH-Bereich bis 2030 die Treibhausgasemissionen gegenüber 2006 um 50 Prozent reduzieren." Ich bin erstaunt. Muss die ETH tatsächlich kein ambitionierteres Ziel erreichen als [PAGE 928] die Bundesverwaltung oder ein solches, wie es das Pariser Abkommen sowieso verlangt?

Im Strategie- und Entwicklungsplan der ETH Zürich für die Jahre 2021-2024 steht zur Nachhaltigkeit: "Wir verfolgen das Ziel von Netto-Null bis 2030 mit einer Reduktion unserer Treibhausgasemissionen um mindestens 50 Prozent gegenüber dem Ausgangsjahr 2006." Das ist nicht mehr als das Klimaziel des Bundesrates für die ganze Schweiz. Damit kann sich eine ETH nicht brüsten. Eine Hochschule, die weitgehend vom Bund finanziert wird und bezüglich Nachhaltigkeit weltweit führend sein will, muss ambitioniertere Ziele verfolgen.

Auch bezüglich Best Practice ist noch viel zu tun. Die ETH hat zwar in ihren Mensen nachhaltige Verpflegungsprogramme eingeführt und in der Verpflegung konsequent von Einweg- auf Mehrwegverpackungen umgestellt; das ist lobenswert. Aber die Take-away-Verpflegung an der ETH ist enorm abfalllastig. Hier steckt noch viel Entwicklungspotenzial drin.

Die ETH möchte ein Testlabor sein. Das schreibt sie auch in ihrem Strategie- und Entwicklungsplan. Genau das will auch meine Motion: die ETH als Testlabor.

Mit der Annahme der Motion unterstützen wir die ETH auf ihrem eingeschlagenen Weg und fordern sie auf, den schönen Worten ambitioniertere Ziele folgen zu lassen. Ich danke Ihnen für die Annahme der Motion.