Munz Martina · Nationalrat · 2021-06-01
Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-06-01
Wortprotokoll
Weiterbildung erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt; das ist so weit bekannt. Weiterbildung ist für die Arbeitsmarktfähigkeit das A und O. Durch die Covid-19-Krise gewinnt meine Motion an Aktualität.
Durch den technologischen Fortschritt und die Digitalisierung verändern sich die Anforderungen an die Arbeitnehmenden rasch. Doch gerade Geringqualifizierte nehmen am wenigsten an Weiterbildungsprogrammen teil. Übrigens kritisiert auch die OECD die Schweiz: Sie mache unzureichende Umschulungsmassnahmen, vor allem bei gering qualifizierten Personen, deren Arbeit von der Automatisierung besonders stark bedroht ist. Es braucht Bildungsmassnahmen bei Geringqualifizierten; das hat auch der Bundesrat erkannt. Bildungsgutscheine können da gute Dienste leisten, denn erwiesenermassen hat dieses Förderinstrument bei der Zielgruppe von Geringqualifizierten eine grosse Auswirkung.
Das Förderinstrument wurde bereits 2006 in einem grossen Feldexperiment evaluiert, damals im Auftrag des BBT. Die Studie kam zum Schluss, dass Gutscheine die Weiterbildungsbeteiligung der Geringqualifizierten steigern, sofern der finanzielle Anreiz gross genug ist. Bei Personen mit kleinerem Einkommen erhöht sich in der Regel die Weiterbildungsbereitschaft, wenn die Kosten für die Weiterbildung sinken. Zudem kann der Gutschein direkt für die Bezahlung des Kurses verwendet werden und muss nicht vorfinanziert werden.
Avenir Suisse hat vor einem Monat, im April 2021, den Bericht "Weiterbilden, aber gezielt" veröffentlicht. Auch darin werden Weiterbildungsgutscheine als geeignetes Mittel eingeschätzt, um Geringqualifizierte zu erreichen. Avenir Suisse schreibt dazu: "Möchte der Staat die Teilnahme von [PAGE 929] Niedrigqualifizierten am lebenslangen Lernen fördern, bieten sich Weiterbildungsgutscheine oder Weiterbildungskonten an. Diese subjektorientierte Weiterbildungsförderung hat den Vorteil, dass sie der Eigenverantwortung der Individuen beim lebenslangen Lernen gerecht wird. Zudem ist eine positive Wettbewerbswirkung auf den Weiterbildungsmarkt zu erwarten, da unterstützte Personen die Angebote wählen können, die am besten auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind."
Mit der Covid-19-Krise wäre es jetzt der richtige Moment, das Gutscheinsystem zu fördern. Mehrere Kantone, darunter Genf, Freiburg und Luzern, haben bereits Bildungsgutscheine eingeführt und machen damit gute Erfahrungen. Das System ist erprobt, zeigt Wirkung und ist praxistauglich.
Ich bitte Sie deshalb: Unterstützen Sie die Einführung von Weiterbildungsgutscheinen, damit sich die Arbeitsmarktfähigkeit von Geringqualifizierten gerade jetzt, im Anschluss an die Covid-19-Krise, erhöht.