Suter Gabriela · Nationalrat · 2021-06-02
Suter Gabriela · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-06-02
Wortprotokoll
Woher stammt das Geld für die Angstmacherkampagne gegen das CO2-Gesetz? Woher stammt das Geld für all die Plakate und Inserate, die uns suggerieren, Normalbürgerinnen und -bürger könnten sich einen Flug nach Mallorca nicht mehr leisten, weil er mit der Flugticketabgabe nicht mehr 220, sondern 250 Franken kosten wird? Woher stammt das Geld für die Kampagne, die die Rückverteilung der Lenkungsabgaben systematisch unterschlägt? Wir wissen es: von der Öl- und Autolobby; sie hat ja auch das Referendum gegen das Gesetz ergriffen. Wir wissen aber nicht, wie viel Geld effektiv eingesetzt wird und wer die Kampagne sonst noch mitfinanziert.
Woher stammt das Geld für die Kampagne "Ja zum CO2-Gesetz"? Wir wissen es: Eine breite Allianz aus allen politischen Lagern und eine Vielzahl von Organisationen stehen dahinter. Aber wie viel Geld wenden die Umweltorganisationen für die Kampagne auf, wie viel die Wirtschaft, die Gewerkschaften, die Konsumentinnen- und Konsumentenschutzverbände? Wir wissen es nicht.
Der Meinungsbildungsprozess, essenziell in einer direkten oder halbdirekten Demokratie, ist kostenintensiv. Politik kostet, das gilt für Abstimmungskampagnen, das gilt aber auch für Wahlen. Während in kleinen Kantonen wahrscheinlich nur wenig Geld fliesst, bleiben Kandidierende in grossen Kantonen wie Zürich, Bern oder Aargau chancenlos, wenn sie nicht tief ins Portemonnaie greifen. Als Parteipräsidentin im Aargau, dem viertgrössten Kanton der Schweiz, weiss ich, wovon ich spreche. Im letzten Ständeratswahlkampf gaben die vier Hauptkandidierenden im Aargau gemäss Eigendeklaration insgesamt rund eine Million Franken aus. Der Trend geht in Richtung immer höherer Ausgaben. Es soll mir niemand sagen, es sei für die Wählerinnen und Wähler nicht wichtig und nicht relevant, zu wissen, woher dieses Geld kommt, das eingesetzt wird!
Mit grossen Spenden sind meist Erwartungen verbunden; mit grossen Spenden können Abhängigkeiten entstehen, die sehr ungut sind. Die Stimme einer Ständerätin, eines Ständerates hat in unserem Parlament viel Gewicht. Es wäre deshalb unglaubwürdig, wenn der Ständerat von der Offenlegungspflicht ausgenommen würde, wie das die kleine Kammer vorsieht. Das Argument, die Ständeratswahlen seien im kantonalen Recht geregelt, sticht nicht. Gerade das Ständeratsmandat ist verbunden mit teuren Wahlkämpfen und mit grossem Einfluss. Es ist deshalb zu hoffen und zu wünschen, dass der Ständerat einschwenkt und die Einigungskonferenz beim indirekten Gegenvorschlag zugunsten von Transparenz entscheidet.
Im Gegensatz zu allen anderen europäischen Staaten ist die Politikfinanzierung in der Schweiz völlig ungeregelt. In der Schweiz finden auf nationaler Ebene alle drei Monate Abstimmungen und alle vier Jahre Wahlen statt. Das macht das politische System unseres Landes aus, das ist eine grosse Qualität unserer Demokratie. Dass wir nicht wissen, woher das Geld kommt, das für eine Kampagne aufgewendet wird, ist gerade vor diesem Hintergrund hochproblematisch. Diese fehlende Transparenz schadet der Demokratie, dem Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Politik und dem Ansehen der Schweiz im Ausland. Denn Geld kann den Ausgang einer Wahl- oder Abstimmungskampagne beeinflussen. Schon nur der Verdacht auf Käuflichkeit eines Abstimmungsergebnisses schadet dem Vertrauen in die Legitimität politischer Entscheide.
Alle repräsentativen Umfragen zeigen, dass sich die Bevölkerung mehr Transparenz wünscht. Es ist deshalb sehr erfreulich, dass ein griffiger indirekter Gegenvorschlag kurz vor dem Durchbruch steht, der die zentralen Forderungen der Transparenz-Initiative aufnimmt. Die Initiative würde zu noch mehr Transparenz in der Politikfinanzierung führen als der Gegenvorschlag.
Unterstützen Sie deshalb die Minderheit Masshardt, und empfehlen Sie die Transparenz-Initiative zur Annahme!