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Studer Heiner · Nationalrat · 2002-12-03

Studer Heiner · Nationalrat · Aargau · Evangelische und Unabhängige Fraktion · 2002-12-03

Wortprotokoll

Ich werfe doch zuerst noch einen Blick ins Ausland. Das ist zwar bei solchen Themen nicht populär, aber ich möchte Ihnen eine Art Schreckensszenario darlegen, einen Tag vor der Bundesratswahl. Vor ein paar Jahren hat mir ein junger Energieminister aus Dänemark telefoniert und gesagt: Du, ich nehme Vaterschaftsurlaub. Wir haben das dritte Kind bekommen und wir können uns den Urlaub aufteilen. Ich finde, wenn es schon das erste Mal ist, dass ein Regierungsmitglied diese Chance hat, sollte man das auch sichtbar machen. Er hat den Vaterschaftsurlaub genommen; Dänemark hat zwar politische Probleme, aber das Land ist nicht untergegangen. Nun das [PAGE 1931] Schreckensszenario: Ein Mitglied des Bundesrates, und noch dazu ein männliches, würde Vaterschaftsurlaub nehmen! Das ist undenkbar, zumindest heute. Darum geht es ja heute auch nicht; ich wollte dieses Beispiel nur bringen, um zu zeigen, dass wir ja weit, weit weg sind von dem, was andere Staaten tun und womit sie offensichtlich leben. Damit können wir auch wieder klar machen, dass wir eigentlich bei einer Vorlage sind, die nicht vernünftiger sein kann, wenn wir eine breite Mehrheit wollen. Das ist auch der Grund, weshalb die evangelische und unabhängige Fraktion für Eintreten ist.

Mein Vorredner, Herr Bortoluzzi, bezichtigt uns, dass wir unmoralisch seien. Ab und zu kommt es auch vor, dass wir als unmoralisch bezeichnet werden. Ich nehme das gerne zur Kenntnis, weil ich diese Unmoral, schon nach wenigen Jahren wieder eine Vorlage zu haben, hier durchaus akzeptieren, aber auch anders werten kann. Wenn Sie jene Vorlage mit der heutigen vergleichen, dann hat sich doch Wesentliches geändert. Das ganz Zentrale, das er als schlecht ansieht, ist ja genau die Perle der Vorlage: die Finanzierung über die Erwerbsersatzordnung. Die EO ist doch der klassische Ort dafür, weil sich die Frauen ja seit Jahr und Tag an der Finanzierung beteiligen und nichts davon bekommen haben. Also ist es doch eine Sache der Gerechtigkeit, dass wir diese Lösung nehmen, bei der alle mittragen, die erwerbstätig sind, und diejenigen, die es betrifft, dann auch einen Erwerbsersatz beziehen können. Es ist für uns wirklich zentral, dass hier eine Finanzierung gefunden wurde, die gut ist.

Wir begrüssen die ganze Vorlage. Dort, wo es die Möglichkeit gibt, Frauen einzubeziehen, die nicht im Erwerbsleben stehen, werden wir das aber tun. Obwohl es zwar realpolitisch verständlich ist, haben wir am meisten Mühe damit, dass wir uns jetzt auf die Erwerbstätigen konzentrieren müssen. Deshalb ist es für uns ein guter Anfang, es kann aber nicht der Schluss sein. Wir meinen auch, dass das Anliegen der Minderheit Maury Pasquier, die Adoption einzubeziehen, schon heute berücksichtigt werden sollte.

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