Thurnherr Walter · 2021-06-08
Thurnherr Walter · Aargau · 2021-06-08
Wortprotokoll
Ich äussere mich jetzt trotzdem etwas zu dieser Thematik, weil ich schon finde, dass das einer der wichtigsten Aspekte in der Aufarbeitung der Covid-Krise ist. Es sind hier Welten aufeinandergeprallt, die sich vorher offenbar nicht so gekannt haben. Und seien wir ehrlich: Dieses nicht spannungsfreie Verhältnis zwischen Politik und Wissenschaft geht ja Jahre zurück. Das war schon bei anderen Krisen so vorhanden, bis hin zur Krise rund um den Bergier-Bericht.
Die Wissenschaft wird von der Politik ja in der Regel eingesetzt, wenn es etwas Unangenehmes zu sagen gilt, das man aber sagen muss; dann wird eine wissenschaftliche Expertenkommission gegründet. Oder die Wissenschaft wird eingesetzt, um das zu sagen, was man gerne hört. Aber man hört dann nicht so gerne Dinge, welche die Wissenschaft nicht mit der Politik teilt. Umgekehrt ist es so, dass gerade in der Covid-Krise sichtbar wurde, dass eine gewisse Bescheidenheit gegenüber den eigenen Erkenntnissen oder gegenüber den eigenen Modellen auch vonseiten der Wissenschaft zum Teil angebracht gewesen wäre.
Dieses Verhältnis zwischen Wissenschaft und Politik zu klären und darzulegen, wie das institutionell funktionieren soll, lohnt sich auch im Hinblick auf eine nächste Krise sehr. In diesem Fall, in der Corona-Krise, wurde die Taskforce am 30.[NB]März 2020 eingesetzt. Das war sehr spät. Die Frage, wie man dieses Verhältnis ordnet, dünkt uns deshalb sehr gerechtfertigt. Für uns stellt sich nicht nur die Frage in Bezug auf den Schweizerischen Wissenschaftsrat, sondern auch die Frage, ob man eine Institution schaffen kann, die sozusagen bereit ist, den wissenschaftlichen Beistand für jede Krise sicherzustellen.
Stellen Sie sich einfach vor: In der Corona-Pandemie haben wir siebzig Experten eingesetzt, und man kann sich streiten, ob die alle notwendig gewesen wären. Bei einer Vogelgrippe oder bei einer Cyberattacke hätten wir schon eine ganz andere Zusammensetzung. Es lohnt sich schon, sich zu überlegen, wie das ideale Format, die ideale Vorbereitung, die ideale Zusammenarbeit aussieht, damit Sie dann wirklich in der Krise eine Beratung haben, die sehr effizient ist, und damit auch die Kommunikation, die sehr effizient sein soll, sichergestellt werden kann.
Wir sind insofern damit einverstanden, das Thema in der WBK zu diskutieren. Es wird aber schon etwas länger dauern als vielleicht bis zum nächsten Jahr, bis man das wieder neu geregelt hat.