Fiala Doris · Nationalrat · 2021-06-14
Fiala Doris · Nationalrat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion · 2021-06-14
Wortprotokoll
Das Milizsystem ist nicht nur, aber auch politisch, gerade auch heute, unter Druck - nicht nur, aber auch, weil Paare gleichberechtigter funktionieren, Familienbilder anders aussehen als zu Zeiten unserer Eltern und Grosseltern. Der Dreiklang Beruf/Karriere, Familie und noch eine politische Laufbahn, das ist oft fast nicht unter einen Hut zu bringen.
Wollen wir im Milizsystem Menschen aus allen Berufsfeldern finden, die sich für Politik interessieren, sollten wir versuchen umzudenken. Nicht nur Parteipräsidien auf allen Stufen sind schwer zu besetzen, auch Parlamentsarbeit auf allen Stufen wird in diesem Sinne immer anspruchsvoller.
Der Kanton Wallis macht vor, wie ein Stellvertretersystem funktionieren könnte. Ein Stellvertretersystem habe ich auch im Europarat in Strassburg kennen und schätzen gelernt. Es fördert das Milizsystem ganz eindeutig. Es würde junge Politiker motivieren und fördern, neue Familienbilder stärken, uns Frauen gerechter werden und genauso auch junge Väter motivieren, für ein politisches Amt zu kandidieren und zu versuchen, alles irgendwie unter einen Hut zu bringen.
Voraussetzung wäre selbstverständlich eine von der Stimmbevölkerung zu wählende Stellvertreterliste. Mit einem Augenzwinkern sage ich Ihnen, was wir der Bevölkerung in Zürich und anderswo nicht schon alles zur Wahl gestellt haben: junge Listen, reine Frauenlisten, Seniorenlisten, ja sogar eine Liste für Hundeliebhaber usw. So, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist das mit dem Stellvertretersystem selbstverständlich nicht gemeint. Milizsystem retten, moderne Familienbilder stärken, politisches Interesse lebbarer machen - den Dreiklang ermöglichen: Beruf, Familie, Politik stärken.
Gerade in den Kommissionen sind wir oft froh um Stellvertreter, auch wenn es anders funktioniert als im reinen Stellvertretersystem, das uns der Kanton Wallis vorzeigt.
Ich danke Ihnen allen als eine, die den Dreiklang mit drei Kindern gelebt hat, aber verhältnismässig spät, nämlich erst mit knapp 40 Jahren, in die Politik eingestiegen ist. Sie und ich wissen um den Kraftakt, der uns oft erwartet. Nicht alle kommen aus einem Nachbarkanton, viele könnten nie am Abend zur Familie nachhause gehen, weil sie aus Graubünden, dem Tessin oder anderswo herkommen, was es ganz einfach unmöglich macht. Sie alle wissen auch, was es bedeutet, wenn man mehr als einer, wenn man zwei oder zum Teil sogar drei Kommissionen angehört; die Ständeräte wissen am besten, wie hart das sein kann.
Oft finde ich und muss manchmal auch ein bisschen darüber schmunzeln, dass wir nicht immer ganz ehrlich sind, wenn wir vom Milizsystem sprechen. Würden wir nämlich in die eigenen Reihen schauen, wären wir erstaunt darüber, wie viele Beruf, Politik und Familie überhaupt noch unter einen Hut bringen und wie oft das eben nicht möglich ist.
Sie und ich wissen um diesen Kraftakt. Das Stellvertretersystem könnte helfen. Es rettet vielleicht nicht alles im Milizsystem, ich denke aber, es wäre einen Gedanken wert.
Ich bitte Sie deshalb um Ihre Zustimmung.