Ettlin Erich · Ständerat · 2021-06-15
Ettlin Erich · Ständerat · Obwalden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2021-06-15
Wortprotokoll
Hier kann ich meine Interessenbindung darlegen: Ich bin als Obwaldner schon vor längerer Zeit mit einem Helikopterpiloten zusammengekommen, der mir gesagt hat, dass ihm die Kündigung drohe, weil er jetzt dann das Alter von 60 Jahren erreiche. Das ist im "Blick" dann auch auf zwei Seiten erwähnt worden. Ich habe lange mit ihm gesprochen und war immer in Kontakt, und er hat mir dann die Situation erklärt: Diese Verordnung der EU, die schriftlich vorliegt - Sie haben es gelesen, ich muss es nicht nochmals vorlesen -, hat man bis jetzt immer verlängern können. Es ist eine Ausnahme für die Schweiz, dass Helikopterpiloten, wie speziell in diesem Fall, den ich erwähnt habe, bis 65 fliegen und arbeiten können.
Diese Verordnung bzw. Ausnahme gilt jetzt nicht mehr. Die Folge für meinen Obwaldner Helikopterpiloten war die Kündigung. Am 23. Dezember 2020, einen Tag vor Weihnachten, hat man ihm geschrieben: "Wir müssen Ihnen wegen dieses Ablaufs der Übergangslösung, die wir gehabt haben, leider per Ende März kündigen, weil Sie dann das 60. Altersjahr erreichen." Der Mann möchte weiterarbeiten; ihm gefällt sein Beruf. Er ist hochmotiviert und auch fit; die Piloten haben regelmässige gesundheitliche Checks. Er sieht nicht ein, wieso er jetzt hier nicht mehr fliegen kann. Gleichzeitig sagt er mir mit Recht: "Ihr sprecht von längerem Arbeiten und davon, dass man die Fachkräfte im Beruf behalten solle. Und was macht ihr? Ihr macht das Gegenteil!" Ich habe keine kluge Antwort für ihn, das muss ich sagen.
Wenn wir die EU-Verordnung Nr. 1178/2011 jetzt einfach übernehmen, dann schaffen wir viele Probleme. Wir setzen Leute, die arbeiten wollen und arbeiten können, mit 60 Jahren in die Teilarbeitslosigkeit. Sie finden vielleicht noch eine Teilzeitbeschäftigung, aber Sie alle wissen, mit 60 Jahren ist es nicht einfach, wieder eine adäquate Stelle zu finden, vor [PAGE 635] allem wenn man faktisch ein Berufsverbot hat. Was man gelernt hat, was man kann, darf man nicht mehr ausüben; das passiert hier.
Es fällt auch Expertise weg. Diese Leute haben jahrzehntelange Erfahrung, auch in schwierigen Situationen, und auf diese Expertise wird man freiwillig verzichten. Die Gesundheit, ich habe es gesagt, ist kein Thema, weil man regelmässige Checks macht. Die Altersgrenze von 60 Jahren ist auch ökologisch nicht klug. Wenn man die Flugzeit dieser Leute verkürzt, dann braucht es mehr Piloten, d. h., es braucht mehr Ausbildungen, und die Ausbildung ist mit mehr Flugzeit verbunden. Diese Altersgrenze ist also auch ökologisch nicht sinnvoll. Die Lösung muss deshalb sein, dass es eine nationale Berufspilotenlizenz gibt, mit der wir sagen, dass Berufspiloten in der Schweiz bis zum 65. Altersjahr fliegen und Personentransporte machen dürfen, wenn sie die nötigen Bedingungen, wie gesundheitliche Checks, erfüllen. Sie fliegen natürlich nicht über die Grenze, insofern ist es kein internationales Problem, sondern es bleibt eine nationale Angelegenheit.
Aus diesem Grund habe ich mich für die Schaffung einer nationalen Berufspilotenlizenz engagiert, und ich bitte Sie hier wirklich, dem Bundesrat den Auftrag zu geben, eine Lösung zu finden, damit diese Leute nicht im besten Alter aufhören müssen zu fliegen. Wenn ich in die Runde schaue, dann sehe ich, dass einige von uns das Parlamentsmandat jetzt dann abgeben müssten, wenn die Altersgrenze von 60 Jahren auch für dieses Mandat gelten würde.
Wir sollten diesen Leuten die Chance geben, bis zum 65. Altersjahr arbeiten zu können. Dann bleiben wir auch glaubwürdig, wenn wir verlangen, dass die Fachkräfte-Initiative durchgesetzt wird und die Leute länger im Beruf bleiben sollen.
Ich danke für die Unterstützung meiner Motion.