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Wasserfallen Christian · Nationalrat · Bern · FDP-Liberale Fraktion · 2021-06-17

Wortprotokoll

Die einen oder anderen mögen sich vielleicht noch an den Film "Mais im Bundeshaus" erinnern. Wenn Sie sich diesen am Abend einmal zu Gemüte führen würden, würden Sie feststellen, dass er von sehr schlechter Auflösungsqualität ist. Das zeugt davon, dass diese Diskussion schon einige Jahre alt ist.

Was ich einfach bemerken muss: Frau Friedli hat zwar richtig gesagt, dass die Bevölkerung damals das Gentech-Moratorium in der Verfassung angenommen hat. Aber der Text lautet eben so, dass das nur für fünf Jahre gelten würde. Das heisst also, wir sind seit dem Jahr 2010 mit dem Gentechnologie-Moratorium eigentlich in einem verfassungswidrigen Zustand - das ist eine Tatsache. Das Gentechnologie-Moratorium in der Verfassung ist vor elf Jahren abgelaufen und wurde seither eigentlich verfassungswidrig im Gesetz ständig wieder verlängert.

Es wurde jetzt in der Corona-Zeit, in der Klimakrise usw. viel gesagt, man müsse auf die Wissenschaft hören. Aber wenn es um Gentechnologie, um die grüne Gentechnologie geht, dann hört man eben nicht auf die Wissenschaft, und das ist einigermassen zu bedauern.

Wir haben mit dem Nationalen Forschungsprogramm 59 (NFP 59) die breitestmöglichen Untersuchungen und Studien veranstaltet - die Ergebnisse sind auch schon einige Jahre alt. Die zwei wesentlichen Erkenntnisse, die damals als Resultat herausgekommen sind, waren erstens, dass gentechnisch veränderte Organismen keine besonderen Risiken oder keine anderen Risiken als Pflanzen mit anderen Züchtungsmethoden beinhalten. Zweitens wurde herausgefunden, dass gentechnisch veränderte Pflanzen durchaus mit normalen Pflanzen, die normal gezüchtet wurden, koexistieren können.

Diese zwei Grundpfeiler der Aussage des NFP 59 werden leider auch mit der Moratoriumsverlängerung ständig wieder zementiert. Eigentlich ist es irgendwie nicht verständlich, auch rational nicht verständlich, dass ausgerechnet jene Züchtungsmethoden - und damit spreche ich jetzt auch die neuesten an wie Crispr-Cas, die man am besten versteht und bei denen man am besten weiss, was man macht - verboten sind, und alle anderen, die zufällig entstehen, bei denen man zig Anläufe machen muss mit Mutationen und mit Bestrahlungen von verschiedenen Erbgutbestandteilen, bei denen man nicht so genau weiss, was man macht, die sind zugelassen. Das ist einfach ein totaler Widerspruch und macht rational null Sinn.

Es ist auch so, dass man mit neuen Züchtungsmethoden, z.[NB]B. mit der Crispr-Cas9-Methode, durchaus einige Pflanzen weiterentwickeln kann. Es geht ja nicht darum, Frau Friedli, dass man alle möglichen Pflanzen mit dieser Züchtungsmethode weiterentwickeln muss, sondern es geht z. B. darum, beim Weizen den Mehltau wegzubringen. Hierzu hat uns ein Wissenschaftler in der Kommission auch einmal gesagt, beim Gen, welches das Mehltaurisiko des Weizens massiv steigert, gebe es sechs verschiedene Kopien, die mit normalen Züchtungsmethoden niemals oder nur sehr schwer beseitigt werden können, mit der Crispr-Cas9-Methode wäre das hingegen relativ gut möglich.

Aber man will das nicht - warum? Man kann es nicht begründen. Auch in dieser Debatte zeigt sich, es gibt keine rationale Begründung, es ist eine rein emotionale Diskussion, und das bedaure ich zutiefst.

Weiter wollen alle Wasser sparen und Pestizide reduzieren. Auch hier könnte die Methode einen gewissen Beitrag leisten - nicht bei allen Pflanzen, das ist klar. Aber es gäbe einige Kulturen, bei denen man das gezielt machen könnte. Mit dem Moratorium verunmöglichen Sie eben auch hier die Lösungen.

Der Bundesrat sollte den mutigen Entscheid fällen, dass die Crispr-Cas9-Methode im Gegensatz zur Europäischen Union hier in der Schweiz nicht unter das Gentechnologie-Moratorium gestellt wird. Das, Frau Bundesrätin, wäre einmal ein Fortschritt. Sie haben immer wieder betont: Hören Sie auf die Wissenschaft! In der Klimapolitik: Hören Sie auf die Wissenschaft! Überall wollen Sie auf die Wissenschaft hören. Frau Bundesrätin, ich hoffe, Sie haben im Bundesrat den Mut, auch hier auf die Wissenschaft zu hören.

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