preparatory:AB 28841
Cavalli Franco · Nationalrat · Tessin · Sozialdemokratische Fraktion · 2002-12-11
Wortprotokoll
Ich mache mich schon wieder unbeliebt bei meinen Kollegen - wie heute Morgen, als ich mit der Hotellerie die Chefärzte ausschliessen wollte -, indem ich sage, dass eine der positiven Wirkungen des Minderheitsantrages Goll wäre, dass die Universitäten den Ärzten etwas mehr über Pharmakologie und etwas mehr über die Wirkung von Arzneimitteln beibringen müssten. Leider ist es heute so, dass viele meiner Kollegen zwar den Namen von Medikamenten im Kopf haben, so wie man im Kopf den Namen von Zigaretten und Autos hat - das bekommt man von der Pharmalobby -, aber sie wissen häufig recht wenig über die Pharmakologie und über die Wirksamkeit der Medikamente.
Es stimmt, dass das Volk die Denner-Initiative verworfen hat, aber die Denner-Initiative war ganz anders. Dort hiess es nur, man müsse das preisgünstigste Medikament geben. Hier wird etwas ganz anderes verlangt. Man verordnet den Wirkstoff, und bei gleicher Eignung soll man das preisgünstigste Medikament nehmen. Was heisst "gleiche Eignung"? Das heisst gleiche pharmakologische Eigenschaften. Das heisst gleiche klinische Wirkungen. Das heisst gleiche therapeutische Resultate. Wenn wir also zehn Präparate haben, die den gleichen Wirkstoff haben und gleich geeignet sind, warum sollen wir dann nicht sagen, man müsse das preisgünstigste geben? Wenn wir das nicht tun, dann sollten wir aufhören, vom Sparen zu sprechen. Hier sind wirklich alle Bedingungen gegeben: Die Medikamente sind gleich; sie haben wissenschaftlich gesehen genau die gleiche Wirkung. Sie haben in klinischen Studien genau die gleichen therapeutischen Resultate erzielt. Der Apotheker soll aber das preisgünstigste geben. Ich finde, vernünftiger kann man nicht sein.
Deswegen rate ich Ihnen, den Antrag der Minderheit Goll anzunehmen.