Keller Peter · Nationalrat · 2021-11-30
Keller Peter · Nationalrat · Nidwalden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2021-11-30
Wortprotokoll
Das vorliegende Postulat verlangt, dass der Bundesrat das Energieeffizienzpotenzial der Datencenter evaluiert und abklärt, wie der Betrieb dieser Center mit erneuerbaren Energien sichergestellt werden kann.
Die WBK des Nationalrates hat das Postulat mit 12 zu 10 Stimmen bei 1 Enthaltung angenommen. Ich darf an dieser Stelle die starke Minderheit vertreten.
Es ist tatsächlich so, dass der Betrieb von Datencentern energieintensiv ist. Dass nun aber der Staat eine Branche herausgreift und diese quasi zwingen will, ihre Stromversorgung mit erneuerbaren Energien sicherzustellen, halten wir von der Minderheit für willkürlich. Wir sollten solche staatlichen Eingriffe in einen privatwirtschaftlich organisierten Sektor nicht unterstützen.
Was die Energieeffizienz betrifft, bewegt sich dieser Markt notabene ohne staatliche Vorgaben schon lange. Die Anbieter hochkomplexer zentraler Datencenter zeichnen sich gegenüber kleineren, firmeneigenen Datencentern durch einen bis zu 50 Prozent tieferen Energieverbrauch aus. Hier ist also schon lange ein Zentralisierungsprozess im Gange, der zu mehr Energieeffizienz führt. Darüber hinaus liegt es im ureigenen Interesse der Datencenter, den Kostenfaktor Energie zu senken. Dabei spielt nicht nur der nationale, sondern auch der internationale Wettbewerb.
Was im Postulat richtigerweise festgehalten wurde: Der digitale Wandel ist energieintensiv, genauer gesagt, stromintensiv; wir hatten ja vorhin eine entsprechende Diskussion. Das gilt allerdings insgesamt für die Förderung erneuerbarer Energien. Ob elektrische Wärmeerzeugung oder Elektromobilität, beide Bereiche haben einen massiven Mehrbedarf an Strom. Mit dem gleichzeitigen Ausstieg aus der Kernenergie steuert unser Land auf eine dramatische Strommangellage zu. Wir tun also gut daran, diese Versorgungslücke zu benennen und ohne ideologische Scheuklappen zu diskutieren.
Insofern würde auch der Debatte zu diesem Postulat eine Portion Ehrlichkeit nicht schaden. Bezogen auf das Postulat hiesse das: Welche Mehrkosten kämen auf die Branche zu, wenn sie auf eine Versorgung mit erneuerbaren Energien setzen müsste? Wie könnte der hohe Energiebedarf im Winterhalbjahr sichergestellt werden, wenn Sonne und Wind nur einen Bruchteil der benötigten Energie liefern können? Welches Energie-Back-up wäre für die Datencenter gemäss diesem Postulat überhaupt noch erlaubt? Heute wird in der Regel auf Dieselaggregate gesetzt.
Zusammengefasst halten wir dieses Postulat für einen problematischen Eingriff in die Privatwirtschaft, zumal es sich um einen Sektor handelt, der bereits auf gutem Wege ist, die Energieeffizienz zu steigern.
Wir bitten Sie, das Postulat abzulehnen.