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Siegenthaler Heinz · Nationalrat · 2021-12-15

Siegenthaler Heinz · Nationalrat · Bern · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2021-12-15

Wortprotokoll

Ich gebe meine Interessenbindung bekannt: Ich bin Bauer, aber ich halte keine Tiere mehr.

Die Initiantinnen stellen fest, dass in der Schweiz die Tiere leiden müssen, weil die ganze Bevölkerung zu viel Fleisch isst, welches zu billig ist, also wegen eines falschen Konsumverhaltens der ganzen Bevölkerung. Aber auf wen zielt die Initiative? Auf 3 Prozent der Bevölkerung, nämlich auf die Bauernfamilien. Im Jahrestakt haben wir hier drin Initiativen, die auf die Bauernfamilien zielen, ihnen vorwerfen, was sie alles falsch machen und was man besser machen sollte. Ich finde das eine Geringschätzung meines Berufsstands und wehre mich entschieden dagegen.

Nun, wenn wir jetzt wieder zum Konsumverhalten zurückkehren: Das hat ja etwas mit dem Markt zu tun. Von einem durchschnittlichen Haushalt werden 7 Prozent der Ausgaben für Lebensmittel aufgewendet. Von diesen 7 Prozent erhält der Bauer heute noch 25 Prozent, 1975 waren es noch 55 Prozent gewesen. Sie sehen, es ist ein gewaltiger Preisdruck auf die Bauern entstanden. Wer hat da gewonnen, wer sind die grossen Gewinner? Die Grossverteiler! Und auf wen zielt die Initiative? Auf die Grossverteiler? Nein, wieder auf die Bauern! Auf den Letzten wird einfach eingedroschen.

Wären die Initiantinnen und Initianten ehrlich und mutig, dann würden sie den Handel, Verkauf und Konsum von nicht nach Biolabel-Anforderungen produziertem Fleisch verbieten. Das hätte die grösste Wirkung. Ich mit meinem liberalen Gedankengut würde und könnte das selbstverständlich nicht unterstützen. Wenn man aber als Problem feststellt, dass der Konsum falsch sei, wieso schiesst man dann auf den Produzenten? Dann ist man bitte ehrlich und beschränkt den Konsum und den Handel.[PAGE 2617]

Hier drin haben wir oft gehört, dass alle tierfreundlich sein wollen. Das will ich auch! Aber dann kommt eben der Härtetest: Es ist viel einfacher, mit dem Stimmzettel tierfreundlich zu sein, als mit dem Einkaufszettel. Würden wir heute abstimmen, und zwar mit dem Einkaufszettel, dann würde diese Initiative mit 88 Prozent abgelehnt und mit lediglich 12 Prozent angenommen. Die 12 Prozent sind nämlich der Anteil jener Konsumentinnen und Konsumenten, die einen Beitrag zu tierfreundlichem Konsumverhalten leisten.

Wenn Sie für das Tierwohl etwas tun wollen, dann unterstützen Sie die bestehenden Instrumente der Agrarpolitik. Die Programme für besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme (BTS) und für regelmässigen Auslauf im Freien (RAUS) sind sehr erfolgreich; die Zahlen dazu kennen Sie, sie wurden hier im Saal oftmals erwähnt. Die Bauern sind bestrebt, etwas für das Tierwohl zu tun, letztendlich wollen sie aber auch von ihrem Beruf leben können. Folglich brauchen sie Anreize und Unterstützung, nicht Verbote.

Ich bitte Sie, die Initiative zur Ablehnung zu empfehlen und die untauglichen Gegenvorschläge abzulehnen.