Cassis Ignazio · Bundesrat · 2022-03-01
Cassis Ignazio · Bundesrat · Tessin · 2022-03-01
Wortprotokoll
Die Motion Heer und die nahezu gleichlautende Motion Jositsch verlangen, dass ein Schweizer Gedenkort für die Opfer des Nationalsozialismus geschaffen wird. Die Motionen waren in beiden Räten und in den zuständigen Kommissionen für Rechtsfragen unbestritten. Der Bundesrat beantragt die Annahme der Motion. Ich kann mich daher kurzfassen.
Die Erinnerung an den Nationalsozialismus und seine Folgen, namentlich an den Holocaust mit fast 6 Millionen getöteten Jüdinnen und Juden sowie an das Schicksal aller anderen Opfer des Nationalsozialismus, gilt es wachzuhalten. Wenn wir uns an die Schrecken des Nationalsozialismus und des Holocaust erinnern, tun wir dies für die Millionen von Menschen, die umgebracht wurden. Wir tun es aber auch für die Hinterbliebenen; wir tun es für uns. Nur dann, wenn wir verstehen, wie so etwas geschehen konnte, können wir solche Gräueltaten in Zukunft verhindern. Dem Vergessen oder Nicht-wissen-Wollen ist mit Bildung und Erinnerungsarbeit entgegenzutreten. Dies umfasst historische Forschung, die Vermittlung der Forschungsergebnisse, die Informationsarbeit, die Prävention und eben auch das Gedenken.
Der geplante Gedenkort in der Schweiz ist nicht primär ein staatliches Projekt. Historische Erinnerung soll nicht von oben, nicht vom Staat verordnet werden. Vielmehr ist ein Gedenkort nur nachhaltig, wenn er in der Gesellschaft verankert ist. Gemäss dem am 25. Mai präsentierten Konzept unterstützen rund 150 Erstunterzeichnende und 50 Organisationen das Anliegen der Schaffung eines Memorials. Demnach soll ein innovativer Gedenk-, Vermittlungs- und Vernetzungsort entstehen.
Ce lieu doit donc être dédié à toutes les victimes du national-socialisme et de l'Holocauste, ainsi qu'aux Suissesses et aux Suisses qui se sont opposés au national-socialisme ou qui se sont engagés en faveur des personnes persécutées. Il doit également être tourné vers l'avenir et être porteur d'un message en faveur de la diversité, d'un monde libre, démocratique et fondé sur l'Etat de droit - les évènements que nous vivons ces jours nous le rappellent de manière dramatique.
Mon département va maintenant élaborer des options à l'intention du Conseil fédéral sur la manière dont un tel lieu de mémoire pourrait être réalisé. Ces options aborderont notamment les questions de l'emplacement, du financement et des éventuelles bases légales. Comme il s'agit d'un lieu de mémoire en Suisse, il sera probablement nécessaire qu'un autre département prenne ensuite le relais. Mais, dans cette première phase, il me tient à coeur que mon département, en collaboration avec le Département fédéral de l'intérieur et le Département fédéral de l'économie, de la formation et de la recherche, fasse avancer les travaux préparatoires de cet important projet.
En conséquence, et comme il l'a fait pour la motion Jositsch 21.3172, le Conseil fédéral propose d'accepter la motion.
Ich komme nun kurz zum Votum von Ständerat Caroni: Der Bundesrat hat sich nun mit zwei konkreten Motionen, der Motion Heer und der Motion Jositsch, befasst, die von den Opfern des Nationalsozialismus sprechen. Auf diese soll der Fokus des geplanten Gedenkortes gerichtet sein. Dass der Gedenkort auch auf andere Totalitarismen und deren Opfer hinweist, scheint mir aber nicht unmöglich. Diese Frage wird sich dann sicher bei der konzeptionellen Projektplanung und der konkreten Umsetzung stellen. Es geht hier aber, wie ich Ihnen gesagt habe, um den ersten Schritt der Ausarbeitung von Optionen und noch nicht um die inhaltliche Gestaltung. Ich bin persönlich dafür, dass die inhaltliche Gestaltung so breit wie möglich auf Totalitarismen ausgerichtet wird.