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Fässler Daniel · Ständerat · 2022-03-01

Fässler Daniel · Ständerat · Appenzell I.-Rh. · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2022-03-01

Wortprotokoll

Diese Motion befasst sich mit Geschichte, mit historischen Vorgängen, die bis heute Fragen aufwerfen. Die Frage, wie eine kultivierte Gesellschaft so weit kommen kann, wie dies im nationalsozialistischen Deutschland der Fall war, bleibt zentral und wird vielleicht immer unbeantwortet bleiben. Dennoch ist diese Frage immer wieder zu stellen, auch 77 Jahre nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft in Deutschland.

Die Motion befasst sich daher nur auf den ersten Blick mit Geschichte. Sie betrifft auch die Gegenwart und die Zukunft, denn Rassismus und insbesondere Antisemitismus sind leider allgegenwärtig. Der jetzt wütende Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine gibt aktuellen Anlass, die Motion des Nationalrates in einem grösseren Kontext zu betrachten. Denn wir erfahren gerade, was wir eigentlich schon wussten: Frieden ist leider keine Selbstverständlichkeit, auch die Existenz und der Fortbestand demokratischer Staaten und Gesellschaften nicht. Auch der Respekt vor Minderheiten, seien diese politischer oder religiöser Art, ist leider keine Selbstverständlichkeit. Die wachsenden totalitären Tendenzen an vielen Orten dieser Welt führen uns dies vor Augen. Dabei stellt sich regelmässig auch die Frage, warum sich politische Akteure und Zivilgesellschaften in den betreffenden Staaten nicht stärker bemerkbar machen oder sich auflehnen.

Ein Ort der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus darf in diesem Sinne nicht etwas sein, das nur zurückblickt. Es geht nicht nur um die Geschichte, sondern leider auch um unsere Zukunft. Die Vermittlung von Geschichte, in diesem Fall die Erinnerung an schlimmste Ereignisse der bisherigen Menschheitsgeschichte, ist daher auch zukunftsgerichtet. Ich hoffe in diesem Sinne, dass der Ort der Erinnerung mehr als ein Gedenkort sein wird. Denn die Gesellschaft ist immer wieder aufzurütteln, zu sensibilisieren und damit zur Wachsamkeit aufzufordern. Die Motion mag auf den ersten Blick unbedeutend wirken, in ihrem Kern ist sie es nicht, im Gegenteil.