Michel Matthias · Ständerat · 2022-03-01
Michel Matthias · Ständerat · Zug · FDP-Liberale Fraktion · 2022-03-01
Wortprotokoll
Oft ist man geneigt, einem Postulat zuzustimmen, wenn es bloss einen Bericht ohne politische Weichenstellungen verlangt. Der Sport, um den es in diesem Fall hier geht, ist in der Regel positiv besetzt, vor allem wenn es um die eigenen nationalen Sportlerinnen und Sportler geht. In der Begründung des Postulates hat Kollegin Baume-Schneider auch den Marktwert des Spitzensports für unser Land und unsere Identität hervorgehoben. Das ist legitim. Ich habe auch etwas Respekt: Wenn eine ehemalige Kollegin aus dem Kreis der Kantonsregierungen einen Vorstoss macht, geniesst er bei mir besondere Beachtung.
Trotzdem beantrage ich, das Postulat abzulehnen. Denn so leichtfüssig es daherkommt, so folgenlos ist es nicht. Im ersten Punkt wird zwar nur neutral eine Aufstellung über die verschiedenen Arten der Unterstützung an Sportlerinnen und Sportler verlangt. Was man politisch daraus dann macht, mag vorerst offenbleiben.
Beim zweiten Punkt kommt dann wahrscheinlich die wirkliche bzw. ehrliche Motivation - eine genderspezifische - zum Vorschein. Es wird nach den Unterschieden bei Entlöhnung, Preisgeldern und anderen Entschädigungen an Frauen und Männer gefragt. Im Resultat wäre das eigentlich eine Lohngleichheitsanalyse, dies aber nicht innerhalb eines Unternehmens. Dies kennen wir, gemäss revidiertem Gleichstellungsgesetz müssen Arbeitgeber mit über 100 Angestellten alle vier Jahre eine solche Analyse machen. Hier wäre es vielmehr eine Analyse des Bundes über die ganze Branche des Sports.
Das allein könnte noch interessant sein. Doch mit dem dritten Punkt kommt dann der politische Aspekt des Postulates. Dann ist es eben nicht mehr politisch neutral. Es wird gefragt, ob man nicht neue Instrumente entwickeln soll, um "eine 'sozioökonomische Auswahl' von Talenten" - so das Postulat - zu verhindern. Dahinter steckt dann das, was im Titel ehrlicherweise auch gesagt wird, dass es um eine "ausgewogene finanzielle Unterstützung" von Sportlerinnen und Sportlern geht. Damit ist eigentlich nichts anderes gesagt, als dass man die Marktmechanismen wie Publikums- und [PAGE 39] Medieninteresse, kommerzielles Interesse, Werbe- und Sponsoreneinnahmen aushebeln oder relativieren soll. Es wird also ein Ausgleich entgegen diesen Marktmechanismen angestrebt, direkt oder mindestens indirekt dann über Staats- und Steuergelder. Diese Stossrichtung unterstütze ich nicht.
Auch die Erstellung bloss eines Berichtes erachte ich in diesem Fall nicht als Aufgabe des Bundes. Wenn gewisse Sportarten, gewisse Organisationen oder Sportler- und Sportlerinnenkreise wirklich Probleme orten, dann würden oder könnten sie selber Analysen erstellen und primär mal auch innerhalb ihrer Organisationen oder innerhalb von Swiss Olympic für mögliche Lösungsansätze sorgen. Aus meiner Sicht soll sich der Bund deshalb auf die bekannten Instrumente der Spitzensportförderung fokussieren, ohne aber in die Einkommensstruktur von Sportlerinnen und Sportlern einzugreifen. Das kommt auch in der bundesrätlichen Stellungnahme zum Ausdruck. Die entsprechenden Rahmenbedingungen werden dort genannt.
Aus diesen Gründen empfehle ich Ihnen die Ablehnung dieses Postulates.